nach oben
Gotthilf Fischer dirigiert den Männerchor MPC 2000 bei einem Konzert in Illingen. Foto: PZ-Archiv
Gotthilf Fischer dirigiert den Männerchor MPC 2000 bei einem Konzert in Illingen. Foto: PZ-Archiv
09.02.2018

Gotthilf Fischer, der „König der Chöre“, wird 90

Es wird sicher etliche Geburtstagsständchen geben, wenn der „König der Chöre“ sage und schreibe 90 wird. Und gegen ein „Happy Birthday“ wird sich Gotthilf Fischer auch nicht wehren, versprach er – auch wenn sich der aufgeweckte Jubilar mit den schlohweißen Haaren von jeher als „Hüter des deutschen Liedguts“ versteht. Kaum ein anderer brachte so viele Menschen zum Singen wie der Schwabe. Seinen Neunzigsten feiert er eine Woche lang – mit jedem seiner Chöre an einem anderen Tag.

Auch Titel wie „Herr der singenden Heerscharen“ hat er sich erworben – oder „Therapeut der wunden Seelen“. Mit all dem könne er „sehr gut leben“, betont Fischer, der sich zum Geburtstag noch viele Reisen ins Ausland wünscht. „Wenn ich da etwas Englisches anstimme, sagen die Leute: ,Singen Sie deutsch’.“ Lieder wie „Im schönsten Wiesengrunde“, „Das Wandern ist des Müllers Lust“ oder „Jetzt gang i ans Brünnele“ seien dort fast bekannter als hier.

Für Moritz Puschke, Geschäftsführer des Deutschen Chorverbands, hat Fischer seinen Teil dazu beigetragen, dass Chorsingen wieder „in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist“. Das Repertoire habe sich natürlich gewandelt. „Die zentrale Botschaft dabei bleibt: Singen steckt an, Singen verbindet. Dies ist sicherlich ganz im Sinne des Jubilars.“

Geboren wird Fischer am 11. Februar 1928 in Plochingen. Sein Vater ist Zimmermeister – und Hobbymusiker. Mit 14 gründet er seinen ersten Chor, nach Kriegsende wird er mit 17 Leiter des Gesangvereins Concordia in Deizisau, später Leiter weiterer Gesangvereine. Bundesweit bekannt wird er mit den Fischer-Chören, die 1969 in der ZDF-Sendung „Dreimal neun“ des TV-Moderators Wim Thoelke auftreten.

Bald drauf erscheint die erste Schallplatte. Der Weg zum ersten Millionenauftritt war geebnet: 1974 in München, vor dem Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft, lässt Gotthilf Fischer einen Mammutchor von 1500 Menschen auf dem Rasen des Olympiastadions „Eviva Espana“ anstimmen. Es folgen hunderte TV-Auftritte, „Sing mit den Fischer-Chören“ heißt seine eigene Sendung. Rund um die Welt hören zeitweise 62.000 Sangesfreunde, vereint in Freundeskreisen der Fischer-Chöre, auf das Kommando des Schwaben. Weit über 16 Millionen Schallplatten werden weltweit verkauft.

„Böse Menschen haben keine Lieder“, das Motto der Fischer-Chöre ist bis heute sein Credo. „Wenn einer singt, ist er fröhlich“, sagt der Jubilar, der sein Alter am liebsten verschweigt. „Einfach nicht dran denken“ – dann merke man die 90 Jahre nicht. „Ich habe wenige Freunde, dafür aber 1000 gute Bekannte“, sagt er mal und ist sich eine zeitlang für keine Schlagzeile zu schade: Bei der Loveparade 2000 macht er Bekanntschaft mit der Modedroge Ecstasy, er springt mit dem Fallschirm ab, besucht den „Big Brother“-Container, singt im Weißen Haus und vor den Pyramiden. Eine Studie des Südwestrundfunks zeigt: 83 Prozent der Zuschauer können Gotthilf Fischer auf Fotos eindeutig identifizieren. Fischer kommentiert seine hohen Einschaltquoten so: „Die Leute haben doch die Schnauze voll davon, alle zwei Minuten einen Toten im Fernsehen zu sehen.“

Zum eigenen Tod hat Fischer ein sehr offenes Verhältnis: „Ich wünsche mir, eines Tages dirigierend in die Kiste zu fallen“, soll er mal gesagt haben. Oder auch: „Die Zeit wird kommen, wo ich die Engel im Himmel dirigieren darf.“

Gotthilf Fischer in der Region

Lange reicht die erste Begegnung Gotthilf Fischers mit der Region zurück: Von 1962 bis 1964 war er Chordirigent des Liederkranzes Kieselbronn und gastierte immer wieder mit seinen Chören. Im März 2009 war er dann in Mühlacker zu erleben – sowohl musikalisch als auch persönlich: Der Projektchor des Chorverbandes Enz führte seine „Friedensmesse“ auf, und der in der ersten Reihe sitzende Komponist zeigte sich von der Leistung höchst angetan. Zu jeder Menge Glück verhalf Fischer den Schömbergern bei seiner Mitsingaktion im Juli 2010. Rund 500 Sängern ließen im Kurpark voller Begeisterung ihre Stimmen erklingen. Und im Juni 2016 leistete er dem Männerchor MPC2000 in Illingen prominente Unterstützung. ps