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Mike Dirnt, Billie Joe Armstrong und Tre Cool (von links) von Green Day wollen mit „Revolution Radio“ an alte Erfolge anknüpfen. Foley
Mike Dirnt, Billie Joe Armstrong und Tre Cool (von links) von Green Day wollen mit „Revolution Radio“ an alte Erfolge anknüpfen. Foley
06.10.2016

Green Day ist wieder da

Berlin. 37 Songs in 78 Tagen. Immer weiter und weiter. Dann der Absturz, Entzug, Stille. Jetzt sind Green Day zurück. In den vier Jahren seit ihrer gigantischen Album-Trilogie „Uno“ „Dos“, „Tré“, die Band und Fans an die Grenzen brachte, haben sich die Punkrocker zurückgenommen, entschleunigt, sich selbst wieder entdeckt. „Revolution Radio“, das am Freitag erscheint, ist ein Zeugnis davon.

Das zwölfte Green Day-Album ist ein Schritt zurück – von der Megaproduktion ins kleine Studio, selbstgemacht, mit viel Kaffee statt Alkohol. Doch ihre Songs haben wieder eine Richtung.

Mit der Trilogie haben Frontmann Billie Joe Armstrong, Bassist Mike Dirnt und Schlagzeuger Tré Cool abgeschlossen. „Wir waren produktiv, nur um produktiv zu sein“, sagte Armstrong dem Magazin „Q“. „Revolution Radio“ hat wieder eine Botschaft. Es spielt in einer Welt, die ihren Zusammenhalt verloren hat, kritisiert Amerikas Waffenwahn, ist inspiriert von Amokläufen und Terror. „,Revolution Radio‘ ist ein Aufruf für alle verlorenen Seelen zusammen zu kommen, zusammen zu tanzen, zu singen und vor allem, sich zusammen zu finden“, sagt Frontmann Armstrong.

Die Musik ist rasend und doch melodisch, die Gitarren dröhnen, das Schlagzeug hetzt. Aus den Texten liest man Frustration mit Gesellschaft und Politik, wie schon 2004 bei der Rockoper „American Idiot“. Doch dazu kommt die jugendliche Energie der Zeit Mitte der 1990er.

In „Still Breathing“ verarbeitet Armstrong seine Zeit im Alkohol- und Medikamentenentzug. „Oh, ich lebe noch“, wundert er sich fast. „Troubled Times“, einen der besten Songs des Albums, schrieben sie nach den Attentaten von Paris, als der Terror ihnen plötzlich nah kam. Denn Green Day sind mit einem Gitarristen der Eagles of Death Metal befreundet, deren Konzert im „Le Bataclan“ von schießenden Terroristen gestürmt wurde.

Trotz all dem hört man kein aggressives, wütendes Album. Eher beschreibt „Revolution Radio“ die Verwirrung von Menschen, die herausfinden, wo sie stehen in einer chaotischen Welt.

Mehr als 75 Millionen Alben haben die Rocker verkauft, seit der Hit „When I Come Around“ sie vor 20 Jahren in den Musik-Mainstream beförderte. Jetzt schließen sie an die tiefgründigen Konzeptalben „American Idiot“ und „21st Century Breakdown“ an – und wissen trotzdem noch zu begeistern.