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Gregor Meyle versteht sich nicht nur aufs Musikalische, auch die Beine spielen eine nicht unerhebliche Rolle. Foto: Frommer
Gregor Meyle versteht sich nicht nur aufs Musikalische, auch die Beine spielen eine nicht unerhebliche Rolle. Foto: Frommer
17.07.2017

Gregor Meyle im Kulturhaus Osterfeld: nicht nur Späßle, sondern auch vortreffliche Musik

Pforzheim. Der Bär kann tanzen! Zwar kokettiert Gregor Meyle im ausverkauften Innenhof des Kulturhauses Osterfeld mit breitem Grinsen: „Meine Mama war Tanzlehrerin, aber ich hab’ mich immer hinter der Gitarre versteckt – mein linker Fuß hat einfach einen anderen Rhythmus als der rechte.“

Doch genau das widerlegt er gleich mehrfach: Beispielsweise beim irisch angelegten Uptempo „Pack dein Scheiß“, zu dem Meyle (38) so vergnügt hinter seiner Gitarre über die volle Breite der Bühne hüpft, dass selbst Disneys „Balu“, gäbe es ihn wirklich, neidisch werden könnte. Und weil’s so schön war, legen er und seine zehn Musiker noch ein paar Takte von „Cotton Eye Joe“ (Rednex) nach. „Späßle g’macht“, kommentiert der aus Jagsthausen bei Heilbronn stammende Meyle in schwäbischem Dialekt.

Publikum voll dabei

Das Publikum im Osterfeld-Innenhof ist spätestens seit Gregor Meyles Song „Flieg jetzt los“ ganz da. Eingefangen hat der durch ein Stefan-Raab-Casting bekannt gewordene Musiker die knapp 1700 Zuhörer bereits mit dem zweiten Titel, den er im Verlauf des „Sommersprossen“-Open-Air spielt: „Ganz normale Leute“ – aus dem er kurzerhand „Ganz normale Leute in Pforzheim“ macht. Das kommt an. Und es wird klar: Da musiziert einer in der Goldstadt – und vielleicht auf dem Zenit seiner Karriere –, der trotz des momentanen Erfolgs auf dem Boden geblieben ist.

Und genau diese Botschaft durchzieht sein Konzert wie ein roter Faden: Meyle erinnert an den nach Irland ausgewanderten Angelo Kelly, mit dem er gemeinsam vor Ort musiziert hat, er bedankt sich mehrfach bei Band und Publikum, erinnert an seine Zeit als Bühnentechniker und an die Straßenkonzerte, die er und einige seine Musiker in Flüchtlingsunterkünften gespielt haben. Außerdem wirbt er für den CD-Verkauf seines Support-Acts, den fürs Osterfeld vielleicht etwas zu melancholisch gestimmten Londoner Singer-Songwriter Luke Sital-Singh.

Das Bad in der Menge

Gregor Fabian Meyle wird bei seinem Konzertauftritt in Pforzheim von zehn exzellenten Musikern begleitet: Laura Bellon (Geige und Gesang), Christian Herzberger (Geige), Mario Gamucio (Schlagzeug), Andreas Gundlach (Keyboards), Johannes Golz (Posaune), Dominik Krämer (Bass), Christoph Moschberger (Trompete), Benni Steil (Saxofon), Markus Vollmer und dem in der Goldstadt von den Al-Jones-Konzerten im Jazzclub 55 bekannten Hammond-Organisten Volker „The Wolfman“ Kunschner.

Meyle spielt alle seine Erfolgstitel – außer die für Disneys „Tarzan“ eingespielte Ballade „Dir gehört mein Herz“. Nach drei Zugaben auf der Bühne nimmt die komplette Band noch ein „Bad in der Menge“, feiert – nach Meyles nachdrücklicher Aufforderung die Handys einmal stecken zu lassen – mitten im Publikum mit wenigen Instrumenten (Akkordeon und Kontrabass) einen feinen Unplugged-Nachschlag. Ein in der Tat stimmungsvoller Ausklang. Chapeau!