nach oben
Lieder zum Zurücklehnen hat die Band um Gregor Meyle (Dritter von links) und Laura Bellon (links) in Hirsauer der Klosterruine gespielt. Foto: Roller
Lieder zum Zurücklehnen hat die Band um Gregor Meyle (Dritter von links) und Laura Bellon (links) in Hirsauer der Klosterruine gespielt. Foto: Roller
Sensibler Songschreiber: Gregor Meyle. Foto: Roller
Sensibler Songschreiber: Gregor Meyle. Foto: Roller
30.07.2018

Gregor Meyle und Band begeistern beim Calwer Klostersommer

Calw-Hirsau. „Es kann ein längerer Abend werden“, sagt Gregor Meyle grinsend, als er die ersten beiden Titel gespielt hat. Bei ihm ist das aber keine Drohung, sondern ein Versprechen. Denn man hört ihm gerne zu, dem sympathischen 39-Jährigen mit dem Hut und dem dichten Bart. Mit der Akustikgitarre und mit seiner tiefen, erdigen Stimme beschert er dem Publikum beim Calwer Klostersommer in der Hirsauer Klosterruine am Samstag gut zwei Stunden lang einen entspannten Abend.

Viele gefühlvolle Songs hat der Sänger im Gepäck, ruhige Nummern mit eingängigen Melodien und schönen, harmonischen Gesangslinien. Lieder zum Zurücklehnen und Entspannen, zum Stress-Vergessen und die Seele baumeln lassen. Manche sind ganz sanft, ganz leise. Etwa „Mann im Mond“, ein melancholisch-nachdenklicher, im positiven Sinn schlicht arrangierter Titel. Andere beginnen langsam, um sich dann in Intensität und Tempo zu steigern. In eine Schublade stecken lassen sie sich nicht.

Große musikalische Bandbreite

Meyle bedient die gesamte musikalische Bandbreite, greift Elemente aus dem Reggae, dem Samba und der Countrymusik auf. An seiner Seite steht Laura Bellon, die mit ihrer klaren, souligen Stimme für schöne Kontraste sorgt. Meyle und seine Band präsentieren brandneue Songs. Etwa „Sag mir, dass das nicht stimmt“, eine gleichmäßig verlaufende, ruhige Nummer. Oder „Die wunderschönsten Dinge“, ein leichter Popsong mit Samba-Anklängen, den er auf einer Ukulele spielt. Aber auch einige Klassiker gibt es zu hören. Zum Beispiel „Kannst Du mich verstehen“, ein Song, den er vor rund elf Jahren geschrieben hat, um damit in einer Castingshow aufzutreten. Aber egal, ob alt oder neu: Der Text steht im Mittelpunkt. Meyle singt nicht einfach irgendwas. Seine Texte sind intelligent gemacht, haben Hand und Fuß, bringen mal zum Nachdenken, mal zum Schmunzeln.

Immer wieder nimmt sich der Sänger zurück, um den Musikern seiner Band die Möglichkeit für ausgedehnte Soli zu geben. Dann entlockt Lorenzo Ludemann seiner Trompete flirrende Klänge. Und Christian Herzberger agiert äußerst beweglich an der Geige. Jeder Ton ist handgemacht, nichts kommt vom Band. Das Publikum ist begeistert von der lockeren und unkomplizierten Art des Sängers, der humorvolle Anekdoten aus seinem Leben erzählt, detailliert über die Entstehungsgeschichten seiner Lieder aufklärt und nicht nur einmal die Location, die historische Hirsauer Klosterruine, lobt: „Man fragt sich, warum das überhaupt kaputt gemacht worden ist.“

„Wir kommen wieder“

Sein Publikum fordert er auf, zu tanzen, mitzusingen, zu klatschen, zu springen, Smartphones und Feuerzeuge in die Luft zu halten, damit im schwarzen Nachthimmel ein beeindruckendes Lichtermeer entsteht. Am Ende muss er drei Zugaben spielen. Die letzte, „Heute Nacht“, gibt er mit seiner Band mitten im Publikum, rein akustisch, ganz ohne Mikrofone und Verstärker. Und ohne Handys. Ein intensiver Moment. Als er vorüber ist, sagt Meyle: „Keine Sorge, wir kommen wieder.“