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Mit stehenden Ovationen wurde das Konzert von Organist Diethard Stephan Haupt und Trompeter Franz Tröster in der St.-Franziskus-Kirche gefeiert. Foto: Molnar
Mit stehenden Ovationen wurde das Konzert von Organist Diethard Stephan Haupt und Trompeter Franz Tröster in der St.-Franziskus-Kirche gefeiert. Foto: Molnar
13.09.2017

Grooviger Abschluss des Pforzheimer Orgelsommers mit Blues und Samba

Nein, es muss nicht immer Barock sein. Es kann – und darf ruhig öfter – auch Jazz beim Pforzheimer Orgelsommer erklingen. Zum Abschluss der diesjährigen Reihe gehen Organist Diethard Stephan Haupt und Trompeter Franz Tröster ungewohnte Wege, präsentieren in der nochmals sehr gut besuchten St.-Franziskus-Kirche George Gershwins „Rhapsodie in Blue“, lateinamerikanische Tänze und ein Medley aus der „West Side Story“.

Klaviersätze angepasst

Ein modernes Programm, das es für Orgel und Trompete so nicht gibt und bearbeitet wurde – teils auch von Haupt. Der Pianist und Kirchenmusiker hat die Klaviersätze so verändert, dass sie leichter und fülliger klingen. Auch die Registrierung ist behutsam gewählt. So hat die Orgel gar nichts Schweres und Massiges an sich, wirkt bei Zsolt Gárdonyis Blues für Orgel und Trompete – eine der wenigen Originalkompositionen – groovig und flott. Die gedämpfte Trompete tut das ihre.

Tröster setzt auch die Piccolo-Trompete, das Flügelhorn und Kornett ein, berührt besonders bei so gefühlvollen Stücken wie dem Traditional-Spiritual „Sometimes I Feel Like A Motherless Child“, dessen zweite Strophe er noch heller und intensiver gestaltet, oder bei der Musical-Ballade „Somewhere“ von Leonard Bernstein. Samtig-warm ist hier sein Ton, der von hellen, zarten Orgelstimmen begleitet wird. Auch die Wechsel und Steigerung bei „Maria“ sind einfallsreich gestaltet, bei „Tonight“ scheint die Trompete der Orgel im Tempo etwas hinterherzuhinken. Immer leidenschaftlicher agiert das Duo bei „America“ als schwungvolles Ende des Musical-Medleys. Manchmal wirkt der Zusammenklang, bedingt auch durch den Hall der Kirche, etwas stark vermischt und ungenau, etwa bei „Latin Holiday“ von Lennie Niehaus oder auch in den schnelleren Passagen von Gershwins „Rhapsodie in Blue“, die mit neuen Höreindrücken daherkommt.

Virtuos-rhythmischer Tanz

Der Anfang ist klar nuanciert: Mal gibt die Trompete den Ton an, und die Orgel wirbelt dazu im Hintergrund, mal umgekehrt. Der Organist begeistert mit vier Soli – den leichtfüßigen Walzer und nächtlich-mystischen Samba aus der „Tanzsuite für Orgel solo“ von Johannes Matthias Michel sowie den Tango und Fandango aus „Sieben Tänze op. 60 für Orgel solo“ von Margaretha Christina de Jong. Beachtlich vor allem der Fandango, der vor spanischem Stolz nur so strotzt und sich zu einem virtuos-rhythmischen Tanz entfesselt.

Den Tango leitet Haupt mit düsterer Melancholie ein, lässt dann Rhythmen von Piazzolla mit angezogener Dynamik und Registerfülle erklingen. Immer wieder spenden die Zuhörer Zwischenapplaus, am Schluss stehen viele auf – und werden mit einer Zugabe belohnt.