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Die Inhalte der Lieder stellen die Schauspieler Ron Spiess und Alexandra Kamp in kleinen Theaterstücken szenisch auf der Bühne des CongressCentrums dar – hier „Natural“ von Imagine Dragons, samt Tüllumhang und bunten Stofffetzen. Foto: Ketterl
Die Inhalte der Lieder stellen die Schauspieler Ron Spiess und Alexandra Kamp in kleinen Theaterstücken szenisch auf der Bühne des CongressCentrums dar – hier „Natural“ von Imagine Dragons, samt Tüllumhang und bunten Stofffetzen. Foto: Ketterl
In Badekleidung, mit Flossen, Schnorchel und Plüschkrokodil interpretieren Kamp und Spiess zu „Shotgun“ von George Ezra eine Reise durch Australien. Foto: Ketterl
In Badekleidung, mit Flossen, Schnorchel und Plüschkrokodil interpretieren Kamp und Spiess zu „Shotgun“ von George Ezra eine Reise durch Australien. Foto: Ketterl
Lange Liste: Moderator Ben Streubel führt durch den Abend. Foto: Ketterl
Lange Liste: Moderator Ben Streubel führt durch den Abend. Foto: Ketterl
06.05.2019

Großer Aufwand fürs Kopfkino: „Live Lyrix“ von SWR3 im CCP

Pforzheim. Das Licht im Saal geht aus, die Musik setzt ein, und das Kino im Kopf beginnt. Der Motor Musik setzt viel Emotionales in Gang. Die SWR3-Show „Live Lyrix“ setzt noch eins drauf. Mit den übersetzten Texten erfährt man endlich einmal genau, worum es in den Songs eigentlich geht. Die Inhalte werden in kleinen Theaterstücken szenisch auf der Bühne dargestellt. Ein Erfolgsrezept, in Pforzheim war der große Saal des CongressCentrums nahezu gefüllt.

Das Publikum ließ sich gerne mitnehmen durch Höhen und Tiefen menschlicher Beziehungen, zu poetischen Visionen einer besseren Welt oder überraschend drastischen Grotesken. Oder hätten Sie gewusst, dass der Sommerhit „Vamos a la playa“ von Righeira einen Atombombenabwurf beschreibt? Als schaurige Gerippe tanzen Moderator Ben Streubel, die Schauspieler Alexandra Kamp und Ron Spiess mit Corinne aus dem Publikum zu der fröhlichen Musik vor dem Atompilz – herber Kontrast nach dem verträumt-poetischen „Natural“ von Imagine Dragons.

Kate Bush bringt in „Babooshka“ mit raffinierten Mitteln ihre eingefahrene Beziehung in Gang. Mit „Shotgun“ (keine Flinte, sondern ein Spiel darum, wer das Auto fahren muss) von George Ezra geht es auf eine Reise durch Aus-tralien. In „Romeo And Juliet“ von den Dire Straits schmachtet ein liebeskranker Freier vergeblich eine berlinernde Bordsteinschwalbe im sexy Outfit an. Und bei „Walk on water“ von Thirty Seconds to Mars beobachtet man Donald und Melania Trump bei einem verräterischen öffentlichen Auftritt.

Die „Live Lyrix“ gibt es seit 1997, seit zwölf Jahren ist die Show auf Tour, mit 40 Auftritten pro Jahr, erzählt Ben Streubel gut gelaunt in der Pause. „Es ist immer eine Herausforderung, die Songs zusammenzustellen. Die Zuschauer sollen eine Geschichte hineininterpretieren können, wir wollen uns aber auch mit einem Thema beschäftigen.“ Bei der aktuellen Show ist das die Diskrepanz von Mensch und Natur.

Die Stücke sind aufwendig produziert, die Texte plus Filmmusiken und Geräuschen wie bei Hörspielen in die Songs hineinkomponiert. Im Hintergrund laufen Filmsequenzen, für die kleinen Theaterstücke gibt es eine Vielzahl von Kostümen und Requisiten. Die beiden Schauspieler bringen Spielfreude, Wandlungsfähigkeit – und Umziehgeschwindigkeit – für die 18 kleinen Geschichten mit, in die sie schlüpfen. So träumt Pink nach der Pause in „Million Dreams“ von einer besseren Welt. Christopher, ein Newcomer aus Dänemark, schaut in dem nachdenklich-ironischen Song „Irony“ unter die „immer schön perfekte Oberfläche“.

Seichtes von Gaga und Cooper

Absoluter Hingucker: die beeindruckend bärtigen ZZ Top mit „Sharp Dressed Man“, während der „best gekleidete Mann“ im Publikum nicht jeden zu überzogen vermag. Eher seichte Emotionen werden im Oscar-prämierten Hit „Shallow“ von Lady Gaga und Bradley Cooper entlarvt, da hilft auch das ausladende Tüllkleid nix. Nach dem Gewinnspiel „Live Lyrix verkehrt“, das die drei Teilnehmerinnen mithilfe des Publikums meistern, entführt Ruth B., eine Newcomerin aus Kanada, in die Traumwelt von Peter Pan. Das erschreckende Psychogramm eines durchgeknallten Teenagers beschreibt Ava Max in „Sweet Psycho“.

Den dramatischen Schlusspunkt setzen Guns N’ Roses mit „November Rain“, der Beschreibung einer kaputten Beziehung, die in einer tödlichen Katastrophe endet. Nach kräftigem Beifall wird es klamaukig mit der Zugabe „You Are The One That I Want“ von Olivia Newton John und John Travolta. Mein Gott, Walter (aus Wanne-Eickel), was ist aus dir geworden!