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Peter Jacobi zwischen seiner Fotografie des Wallbergs aus dem Jahr 1981 und einem Plakat von Vito Pace, der einst Jacobis Assistent an der Hochschule war und jetzt dort Honorarprofessor ist.  Foto: Meyer 

Gruppenausstellung in Pforzheimer Raphael-Kirche: Künstler suchen die Weite

Pforzheim. Wer einem geliebten Menschen begegnet, dem geht das Herz auf. Auch Musik oder ein Bild können dieses Gefühl hervorrufen. Das weite Meer, der blaue Himmel – da weitet sich die Seele zum Eins- Sein, zur Resonanz, zum tiefen Glück. Die Weite kann aber auch erschrecken, ein Gefühl von Ohnmacht und Verlorensein auslösen. So formuliert es die Kuratorin Monika Ziemer in ihrem Anschreiben.

Im Spannungsfeld zwischen Zeitlosigkeit, Ferne, Fülle, Tiefe und Unermesslichkeit erleben die Künstlerinnen und Künstler das Thema „Weite“, dem sie in einer Ausstellung in der Raphael-Kirche mit Zeichnungen, Gemälden und Objekten nachspüren. „In einem der schönsten modernen Häuser der ganzen Stadt“, schwärmt Peter Jacobi. Er zeigt zwei Fotografien des Wallbergs (1981). Auf dem in düsterem, chemischem Blau gefärbten Großformat hat er ein Denkmal entwickelt, einen Lichtkranz.

„Der Wallberg ist das Grab der Stadt“, sagt Jacobi, dessen Lebensthema die Erinnerungskultur ist.

Ein kleineres Foto zeigt den Wallberg von Westen aus – mit Wiesen, wo heute Supermärkte stehen.

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Erzeugt innere Weite: Hartmut Häcker. Foto: Meyer
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Gefühl von Ohnmacht: Ingrid Bürger. Foto: Meyer

Mit seinem Plakat „Helft alle mit“ (2021) schafft der Künstler und Bildhauer Vito Pace, der einst Jacobis Assistent an der Hochschule war und nun dort Honorarprofessor ist, ein konzeptuelles Manifest, miteinander empathisch und helfend umzugehen. Pace hat 100 Plakate gedruckt, die man gegen eine Spende für die Kirche erwerben kann.

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Kühle Farbigkeit von Rosemarie Kraus. Foto: Meyer

Nur 40 auf 30 Zentimeter misst die Malerei von Hartmut Häcker, sie atmet aber in ihrer subtilen Farbigkeit, mit ihren transparenten Schichten und dem fließenden Duktus eine innere Weite. Sie ist Anfang 2021 entstanden (Acryl und Tusche auf Baumwollgewebe). Und sie besteht auch neben dem großformatigen, gestischen und stark farbigen Bild von Ute Morof und den landschaftlich atmosphärischen Blautönen von Karin Helms-Kieselmann. Diese Arbeiten kontrastieren wiederum zu einer streng gestreiften, kühl wirkenden Malerei von Rosemarie Kraus. Auf dem Balkon hat Brigitte Neufeldt weit wehende Tücher an Stahlstangen gebunden. Kai Geiger schuf eine Skulptur aus Maulbronner Sandstein. Die zwei vereinten Bewegungen haben keinen Anfang und kein Ende – eine endlose Weite.

Ausstellung Jacobi Häcker
Bildergalerie

Gruppenausstellung in der Raphael-Kirche

Die Schau wird am Sonntag um 11.45 Uhr eröffnet. Sie ist zu sehen bis 26. September in der Raphael-Kirche, Turmstraße 5, Pforzheim: dienstags von 15 bis 16.30 Uhr und donnerstags von 12 bis 13 Uhr.

Michael Müller

Michael Müller

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