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In der einzigartigen Natur des Berner Oberlandes um den mondänen Ferienort präsentiert sich das Gstaad Festivalorchester. Die Konzerte finden in diesem Jahr zwischen Juli und September statt. Foto: Faux
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Der Pianist und Dirigent Bertrand Chamayou (Artist in Residence) war maßgeblich an der Programmauswahl beteiligt. Das Thema 2019: Paris. Foto: Borggreve
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Die bekannte argentinische Cellistin Sol Gabetta tritt mehrfach auf, auch in der schönen Kirche in Saanen. Foto: Faux

Gstaad Menuhin Festival startet in diesem Jahr unter dem Motto „Paris

Paris/Gstaad. Ferienziel der Schönen und Reichen, noble Wintersportlocation, Austragungsort von Tennis-, Polo- und Beachvolleyballwettbewerben und -meisterschaften. Das alles ist Gstaad. Doch das 800-Seelen-Dorf wartet noch mit einem weiteren Höhepunkt auf: Im Sommer verwandelt sich die Schweizer Gemeinde im Berner Oberland seit über 60 Jahren in eine Kernzelle der Kultur. Dann nämlich, wenn zwischen Juli und September das legendäre Gstaad Menuhin Festival zu einem inhaltsschweren Konzertreigen einlädt.

Der weltbekannte Violinvirtuose und Dirigent Lord Yehudi Menuhin gründete das Festival, das 1957 erstmals unter seiner Leitung stattfand. Seither hat es sich beständig weiterentwickelt und ist heute nach dem Musikfestival Luzern das zweitgrößte in der Schweiz. Seit 2002 ist der Kulturmanager Christoph Müller Intendant und liefert kontinuierlich neue Impulse.

Franzosen im Fokus

Für 2019, zum 20. Todesjahr Menuhins, hat sich der rührige Schweizer etwas Besonderes einfallen lassen. Das Festival steht unter dem Motto „Paris“ und widmet sich schwerpunktmäßig französischen Komponisten. Damit wird einerseits daran erinnert, dass Menuhin in Paris dem Komponisten und Violinisten George Enescu, seinem wichtigsten Mentor begegnete. Andererseits soll eine Brücke zu deutsch-schweizer und deutschen Musikern und Musikliebhabern geschlagen werden, bei denen Müller aufgrund von Sprache und Mentalität eine gewisse Distanz zu französischer Musik beobachtet.

So finden sich in den nahezu 60 Konzerten verteilt Werke von Camille Saint-Saëns, Olivier Messiaen, Marc-Antoine Charpentier, Georges Bizet, Francis Poulenc, Claude Debussy, Gabriel Fauré, César Franck, Frédéric Chopin (gebürtiger Pole) oder Hector Berlioz neben Bach, Schubert, Mozart, Beethoven, Schönberg, Händel, Liszt, Schubert, Vivaldi, Gershwin, Britten, Tschaikowsky und sehr vielen weiteren.

Das Festival beschränkt sich längst nicht mehr auf Kammermusik. Seit 1989 werden im Zelt Sinfoniekonzerte angeboten. 2019 gastiert erstmals die Staatskapelle Dresden, eines der, wie Müller sagt, „legendären deutschen Orchester“. Die Gstaad Academy bietet Meisterkurse für Orchester, Gesang und Klavier unter prominenter Leitung an, die sich an junge Professionals sowie an jugendliche und erwachsene Amateure richten. Es gibt zeitgenössische Musik, und ein Musik-Extra entführt an ungewöhnliche Auftrittsorte.

Zum Staraufgebot, das man in Gstaad erleben kann, gehören der Pianist Bertrand Chamayou (Artist in Residence), die Cellistin Sol Gabetta, die Violinistinnen Vilde Frang und Hilary Hahn, die Sopranistinnen Cecilia Bartoli, Nuria Rial und Patricia Petibon, die Pianistin Yuja Wang und das Londoner Chorensemble Tenebrae. Die aus Deutschland gebürtige Chansonniere Ute Lemper singt Edith Piaf.

Finanzierung stabil

Rund 20 000 Besucher werden zum 63. Gstaad Menuhin Festival erwartet, drei Viertel sind Stammgäste. Die Finanzierung des Budgets von 7,2 Millionen Schweizer Franken bezeichnet Müller als stabil, 85 Prozent werden über Kartenverkäufe, Sponsoring, Mäzenatentum und Stiftungen abgedeckt, 15 Prozent über öffentliche Gelder. Wichtigster Partner sind die Unternehmensgruppe und die Fondations Edmond de Rothschild. Die Region Saanenland erwartet durchdasFestival eine Wertschöpfung von 14 Millionen Franken.

Einen Vorgeschmack gab ein Beethoven-Konzert im 2014 neu eröffneten Großen Saal von Radio France in Paris, in dem Yasuhisa Toyota wie schon in der Elbphilharmonie Hamburg für das Akustikdesign verantwortlich zeichnet. Überraschend die bestechend transparente, durch viel Holz weiche und warme Akustik.

Drei Stars des Festivals, Bertrand Chamayou (Piano), Sol Gabetta (Violoncello) und Vilde Frang (Violine), spielten mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France das Tripelkonzert op. 56 in C-Dur von Beethoven. Beeindruckend die harmonische Interaktion der drei Musiker, vor allem zwischen der temperamentvollen Sol Gabetta und der ätherisch-verspielten Vilde Frang, als erdendes Element mit virtuos perlenden Läufen Bertrand Chamayou, der auch als Dirigent agierte.