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Bei Hannes (Albin Braig) und dem Bürgermeister (Karlheinz Hartmann) geht es heiß zu. Vor allem, wenn der Amtsbote zum Bügeleisen greift. Foto: Roller
06.02.2019

Hannes und der Bürgermeister zweimal im CongressCentrum Pforzheim

Pforzheim. Mit Schwung fliegt die Tür auf. Der Bürgermeister hat schlechte Laune. „Der Schriedinger Schofseggl, der moint wohl, der kennt über Wasser laufe“, regt er sich über seinen Amtskollegen aus dem Nachbardorf auf. Ein Angeber, der sich wichtigmachen will. Findet auch Hannes, der Amtsbote. Und er weiß auch, warum das mit dem Größenwahn ganz schön gefährlich sein kann: „Wer große Töne spuckt, der sollte an den Gegenwind denken.“

Ausnahmsweise ist er sich mit seinem Vorgesetzten einig. Etwas, das am Montag- und Dienstagabend im Pforzheimer Congress Centrum sonst eher selten vorkommt. Denn wenn Albin Braig und Karlheinz Hartmann mit Herrn Stumpfes Zieh und Zupfkappelle auf der Bühne stehen, ist Chaos programmiert.

Bildergalerie: Hannes und der Bürgermeister zweimal im CCP

Dann muss Amtsbote Hannes seinem Chef auch schon einmal mit einem Bügeleisen kräftig über den Hintern fahren oder ihn mit der Schubkarre nach Hause transportieren, wenn der im „Ochsen“ wieder ein paar Gläser zu viel hatte. Und wenn zu allem Überfluss noch der Landrat anruft, dann dauert es nicht lange, bis der Bürgermeister auf 180 ist.

Problemlos kann er sich aufregen. Über die „Dackel“ aus dem Gemeinderat, über Vegetarier, über die Folgen der globalen Digitalisierung, übers „Fatzebucken, Wots-Eppen und Jutuben“. Die Welt steht Kopf. Männer gehen zu Tupper-Partys, Frauen auf Demos zur Rettung der Juchtenkäfer. Und die sauren Kutteln schmecken nach in Streifen geschnittenem Mikrofasertuch. Da hilft nur ein Schnaps. Wie gut, dass der Bürgermeister immer eine Flasche in seinem Schreibtisch stehen hat.

Zumindest so lange, bis sein geliebtes „Schatzilein“ sie ihm still und heimlich klaut. Und als ob das noch nicht schlimm genug wäre, geht sie auch noch nach Schriedingen in die gemischte Sauna. Für ihren Mann nichts als eine „Sauerei“. Hannes ist da deutlich entspannter. Er trägt Pakete durch die Gegend, geht zum Pfarrer „Glocken putzen“, besucht Kurse in der Volkshochschule und hat für jede Lebenslage die passende Weisheit parat. Beispiel: „Wenn man trocken heult, dann stäubt es aus den Augen.“

Nicht der einzige Spruch, mit dem der Amtsbote das Publikum zum Lachen und den Bürgermeister auf die Palme bringt. Die beiden liefern sich wilde Wortgefechte, brüllen sich gegenseitig an. Aber wenn es darauf ankommt, halten sie zusammen. Was sich liebt, das neckt sich eben.