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Mit geistreichen Texten und Liedern bringen Gunzi Heil und Harald Hurst (von links) das Publikum im Osterfeld dazu, sich vor Lachen zu biegen. Läuter
Mit geistreichen Texten und Liedern bringen Gunzi Heil und Harald Hurst (von links) das Publikum im Osterfeld dazu, sich vor Lachen zu biegen. Läuter
12.12.2016

Harald Hurst und Gunzi Heil begeistern im Kulturhaus Osterfeld

Man kann und sollte die Gedichte und Geschichten von Harald Hurst lesen. Schon allein deshalb, weil sie immer wieder dem oft penetrant daherkommenden Zeitgeist oder wie Hurst es nennt den „moderne Fürz“ ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen.

Wer ihn aber einmal auf der Bühne erlebt hat, weiß, dass es kein Vergleich sein kann zu jener sehr eigenen Art, wie der badische Mundartautor selbst vorzutragen weiß. Ebenso verhält es sich mit dem gebürtigen Karlsruher Gunzi Heil, seines Zeichens Kabarettist, Musiker, Puppenspieler. Man kann seine Werke anhören, aber ein wesentlicher Teil wird fehlen, nämlich sein schlacksiges Erscheinungsbild, sein sympathisches Lachen, wenn er beispielsweise seinem langjährigen Bühnenkollegen Hurst zuhört. So geschehen am Freitagabend im restlos ausverkauften großen Saal des Kulturhauses Osterfeld.

Geistreich auf den Punkt

Da enden denn aber die Gemeinsamkeiten fast schon: Heil spricht klar und deutlich, rasselt Zahlenspiele oder 100-Sekunden-Märchen herunter. Hurst, eine Stimme, wie sie einem Haudegen wie ihm eben gebührt, nuschelt gerne in seinen Bart hinein – immer aber mit einer gehörigen Portion Humor. In einem seiner Bücher, gesteht er am Freitag, klebe ein Zettel, den ihm in der Pause einmal eine Dame auf den Tisch gelegt hatte: „Bitte etwas langsamer nuscheln“, steht darauf.

„Immer sagen, wenn ich zu schnell bin“, weist er das Publikum lächelnd an, bevor es weiter geht mit einem abwechslungsreichen Programm, das mal so temporeich ist, dass man das Gefühl hat, einem wilden Galoppritt beizuwohnen, dann wieder ganz gelassen daher kommt. Dabei bringen Hurst und Heil die Dinge geistreich auf den Punkt, haben es nicht nötig, unter die Gürtellinie zu gehen – und tun sie es doch einmal, wie etwa Hurst in einer seiner Geschichten, in der der badische Protagonist einem norddeutschen Besucher Ettlingens zu erklären sucht, woher „Bubespitzle“ ihren Namen haben, dann geschieht das mit einer Art spitzbübischen Unschuld.

Und Heil schafft es, große Literaturklassiker, weltbekannte Musikhits und Werbespots zu hinreißenden Liedern zu verwandeln oder auch, klarzustellen, dass es in vielen Liedern gar nicht um das geht, was wir vielleicht dachten. Last Christmas ein Liebeslied, ein Weihnachtslied? Falsch gedacht! Ein Missverständnis, weil George Michael es so süßlich singe. Eigentlich aber, weiß Heil zu belegen, handelt es sich um ein „ganz widerliches Organhandellied“. Jemand spendet sein Herz, das wird aber dann von dem Empfänger weitergegeben, dann kommt es irgendwie zurück – liegt doch auf der Hand, was da vor sich geht.

Gute zweieinhalb Stunden brachten Heil und Hurst das Publikum am Freitag in einen Zustand der ausgelassenen Freude in dem ein Lacher dem anderen folgte. Dafür erhielten sie den verdienten, lang anhaltenden Applaus, gaben jeweils noch eine Zugabe und machten dem ganzen schließlich selbst ein charmantes Ende, indem sie klar machten, dass sie nun nicht mehr auf die Bühne zurückkämen: Hurst machte den Abgang mit seinem Rotweinglas und Heil schnappte sich den in der Flasche verbliebenen Rest. Das Publikum wäre wohl durchaus noch eine Weile geblieben.