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Jasaman Roushanaei spielt „Mondscheintarif“ bei Thalia. Foto: Pfäfflin
Jasaman Roushanaei spielt „Mondscheintarif“ bei Thalia. Foto: Pfäfflin
02.11.2016

Hautnah: wenn das Liebesleben der Cora Hübsch zwischen Büchern spielt

Pforzheim. Jasaman Roushanaei ist aufgeregt: Heute spielt sie die Cora Hübsch in „Mondscheintarif“, ein Monolog nach dem bekannten Roman von Ildikó von Kürthy, den die Schauspielerin eigentlich schlafwandlerisch drauf hat. 80-mal in sechs Städten ist sie mit dem Stück schon auf der Bühne gestanden – am häufigsten im „Podium“ in Pforzheim. Mit Ton- und Lichtanlage, mit Zuschauern auf den ansteigenden Rängen. Doch jetzt ist das anders: kein Mikro, keine spezielle Beleuchtung – und die Zuschauer zum Greifen nah. Jasaman Roushanaei spielt heute zum ersten Mal in einer Buchhandlung und eröffnet damit die Kooperationsreihe von Theater Pforzheim und Thalia.

Unter dem Motto „Kunst und Kultur zwischen Büchern“ haben Chefdramaturg Peter Oppermann und Thalia-Geschäftsführerin Erika Föst ein neues Format ins Leben gerufen für Menschen mit Faible für Literatur und Theater.

Und das funktioniert bestens: Wenn Roushanaei in die Rolle der Singlefrau Cora schlüpft und mit den Herren der Schöpfung hadert, dann ist es fast so, als ob eine gute Freundin ihr Leid klagt: Wohnzimmer-Atmosphäre pur.

Da wird dann auch mitgefiebert, ob der Angebetete endlich anruft, da wird fleißig genickt, wenn Cora verkündet, „die größte weibliche Problemzone heißt Mann“. Und da kann manch eine nachfühlen, wie es ist, aus Liebeskummer zur Pralinenschachtel zu greifen.

Obwohl bereits vor 17 Jahren erschienen, hat Ildikó von Kürthys humorvolles Hadern mit der Liebe und dem Leben nichts an Aktualität verloren. Wenn es dann noch mit soviel Witz, Charme und „unplugged“ wie an diesem Abend serviert wird, ist das Publikum nach rund 70 kurzweiligen Minuten restlos begeistert. Und Jasaman Roushanaei um eine Erfahrung reicher.