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Franco Ambrosetti, Gainluca Ambrosetti und Greg Osby (von links) sorgen für  gute Stimmung im „domicile“. Foto: Frommer
Franco Ambrosetti, Gainluca Ambrosetti und Greg Osby (von links) sorgen für gute Stimmung im „domicile“. Foto: Frommer
15.03.2016

Heftiger Hardbop – Ambrosetti Allstars im „domicile“

Pforzheim. Nichts an dieser hochkarätigen Allstar-Formation ist zufällig. Der Tessiner Trompeter Franco Ambrosetti (74) gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Hardbops in Europa. Er gastierte am Sonntagabend bereits zum dritten Mal in der Jazz-Lounge „domicile“. Für sein aktuelles Projekt „After The Rain“, eine Hommage an den genialen Saxofonisten John Coltrane, hat er legendäre Musiker um sich geschart: Den Bassisten Buster Williams (73), die Ausnahmeschlagzeugerin Terri Lyne Carrington (50) und den Alt-Saxofonisten Greg Osby (55). Abgerundet wird das Sextett vom Pianisten Dado Moroni (53) und von Ambrosettis Sohn Gianluca (42), einem ebenfalls stark an Coltrane orientierten Sopran-Saxofonisten.

Raumgreifendes Volumen

Den Auftakt im „domicile“ gestalten die Ambrosetti Allstars wuchtig und laut. Die drei Bläser in der ersten Reihe, der gestrichene Bass und das mit Paukenschlegel gespielte Schlagzeug verleihen dem Coltrane-Titel „After The Rain“ raumgreifendes Volumen. Schon die Eröffnungsnummer klingt mit einem facettenreichen Schlagzeug-Solo aus, bei dem Terri Lyne Carrington ihre Extraklasse eindrucksvoll demonstriert. Beim zweiten Titel, „Retro Versus New Age“, einer Eigenkomposition von Franco Ambrosetti, hebt Dado Moroni zu seinem ersten druckvollen Piano-Solo buchstäblich ab: Die Beine des großgewachsenen Genuesers sind für Korpus und Pedale des Konzertflügels schlicht zu lang. Tritt er in die Pedale, bewegt sich nicht nur die Tastatur, sondern das gesamte Piano. Das ist ungewöhnlich, heftig – und beeindruckend.

„Blue In Green“ von Miles Davis, „Crescent“ von John Coltrane und die Franco Abrosettis Gattin gewidmete Eigenkomposition „Ilios Silia“ sind weitere Klanghöhepunkte im „domicile“, dessen Wärme und Publikum der Schweizer Bandleader ausdrücklich von anderen Spielstätten abhebt. Das Finale eines gelungenen Abends: Die von den Konzertbesuchern in Pforzheim vehement geforderte Zugabe bestreiten Franco Ambrosetti, Dado Moroni und Buster Williams in „kleiner Besetzung“.