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Pimpinone (Christos Pelekanos) hat es nicht leicht mit seiner frisch angetrauten Ehefrau (Sonja Bühler). Foto: ag
Pimpinone (Christos Pelekanos) hat es nicht leicht mit seiner frisch angetrauten Ehefrau (Sonja Bühler). Foto: ag
18.07.2016

Heiter-ironisches Spiel um eine „ungleiche Heyrath“ in Maulbronn

Maulbronn. Vespetta, „das Wespchen“, ist ein stechendes Biest. Jung, attraktiv und raffiniert umgarnt sie Herrn Pimpinone, einen äußerst wohlbeleibten, sehr einsamen, aber reichen Herrn. Gaukelt ihm ein willfährig dienendes Hausmädchen vor und lässt sich auf seine Liebes-Avancen ein, bis er sie endlich heiratet. Als sie ihr Ziel erreicht hat, ist er plötzlich nur noch ihr „dummer, dicker, störrischer Pummel“. Sie gibt mit vollen Händen sein Geld aus, möchte „feiern, tanzen, lachen und sich schön machen“. Von Vespetta übertölpelt und drangsaliert, verstummt Pimpinone in bemitleidenswürdiger Traurigkeit.

Lustiger Ziergesang

Mit allerhand komödiantischen Pointen gespickt, vor allem aber mit lustigem Ziergesang und feiner Instrumentierung für ein kleines Streichorchester ausgestattet, hat Georg Philipp Telemann aus dem Stoff das musikalische Intermezzo „Pimpinone oder Die ungleiche Heyrath“ gemacht, das bei den Klosterkonzerten in Maulbronn ein kurzweilig unterhaltenes Publikum begeisterte. Zusammen mit seinem „nomad theatre ensemble“ aus Stuttgart und der von Johannes Klumpp zupackend geleiteten Chapelle de la Vigne, dem Freiburger Ensemble für alte Musik, präsentierte Regisseur Daniel Klumpp das Zwei-Personen-Stück als scherzhaftes Singe-Spiel auf einer kleinen Baldachin-Bühne im Kreuzganggarten des Klosters.

Vulgärer Ehestreit

Sommerfrisch leicht und köstlich verspielt agierten der Bariton Christos Pelekanos (Pimpinone) und die Sopranistin Sonja Bühler (Vespetta) in koloraturgeschmückten Kavatinen und dialogischen Rezitativen. Anfangs scheint alles trällernd-musikantische Tändelei. Daraus wird bald heftiger, in der Wortwahl oft derb vulgärer Ehestreit, schlussendlich folgt kein Happy End, sondern Enttäuschung und Melancholie. Glücklicherweise macht Telemanns in Maulbronn klangschön und einfühlsam interpretierte Musik auch dieses Leid erträglich.