nach oben
Eine Frau mit zwei Kindern steht vor dem David-Bowie-Wandgemälde des Künstlers Jimmy C im Londoner Stadtteil Brixton. Foto: dpa
Eine Frau mit zwei Kindern steht vor dem David-Bowie-Wandgemälde des Künstlers Jimmy C im Londoner Stadtteil Brixton. Foto: dpa
06.01.2017

Heldenverehrung für ein verstorbenes Pop-Genie: Der Bowie-Kult floriert.

London, Berlin, New York. Überall das gleiche Bild, ob in London, Berlin oder New York: Berge von Blumen, selbst gebastelte Geschenke, Trauerbriefe und Liebesbekundungen. In allen drei Metropolen war der 11. Januar 2016 ein Tag, an dem Menschen fassungslos zusammenkamen. Tag eins nach dem Tod von David Bowie.

Songtitel des Rock-Superstars wurden spontan umgedeutet: Der „Starman“ hatte die Erde nach 69 Jahren verlassen. Der tragische Astronaut „Major Tom“ war endgültig in der unbekannten Umlaufbahn verschwunden. Einer der großen „Heroes“ der Popkultur war verstummt.

Wer weniger anfällig ist für solche Erschütterung über den Tod eines Weltstars, fragte sich damals – und womöglich bis heute: Was hatte David Bowie, dass gerade dieser zweifellos einflussreiche und erfolgreiche Musiker eine vergötterte Kultfigur im Leben und auch danach werden konnte?

Vergleichbares ist rar: vielleicht noch Elvis Presley mit der Pilgerstätte Graceland. Oder der Doors-Sänger Jim Morrison in seinem stets von Kerzen erleuchteten Grab auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise. Die Bowie-Verehrung scheint ähnliche Formen anzunehmen. Und sie hat sogar drei Kult-Orte: die für seine Karriere wichtigsten drei Städte.

London Bei 257 000 Pfund fällt der Hammer. Für umgerechnet rund 300 000 Euro erwirbt ein anonymer Bieter am 11. November 2016 im Londoner Auktionshaus So-theby’s den „Radio-Phonograph Model No. RR 126“, einen edlen Stereoschrank aus den 1960er-Jahren. Bei maximal 1200 Pfund lag der Schätzwert. Dem Bieter ist’s egal, er zahlt – einzig und allein, weil früher mal ein Kunst- und Design-Sammler namens David Bowie seine Platten auf der schicken Anlage abgespielt hatte. Betuchte Popfans treiben den Gesamterlös für die 350 Werke der Auktion auf knapp 40 Millionen Euro – fast dreimal so viel wie erwartet.

Im Vorort Brixton, wo Bowie 1947 in der Stansfield Road geboren wurde, erinnert nicht mal ein kleines Schild an dem Reihenhaus an den Star. Dafür wird der berühmteste Sohn des auch heute noch leicht schäbigen Londoner Viertels fünf Fußminuten entfernt mit einem Wandbild geehrt. Es zeigt Bowie als Glamrocker vom Anfang der 1970er-Jahre. Insgesamt 13 Londoner Örtlichkeiten für Bowie-Fans empfiehlt das Stadtmagazin „Timeout“ – vom Brixtoner Bild über das Geburtshaus, die Stockwell-Grundschule, die Decca- und Trident-Aufnahmestudios, den Konzerttempel Hammersmith Apollo bis zum Victoria and Albert Museum. Dort erhielt Bowie Anfang 2013 höchste Weihen mit der Ausstellung seines Lebenswerks. Die seither durch die Welt reisende, von gut einer Million Menschen besuchte Schau „David Bowie is ...“ macht klar, wie groß sein Einfluss auf Musik, Mode, Film, Theater, Video- und bildende Kunst ist.

Berlin Auch in Berlin war die Schau in einem großen Museum zu sehen, sogar mit einem Extrateil – wegen der besonderen Beziehung Bowies zu der Stadt. Der Martin-Gropius-Bau, direkt an der früheren DDR-Grenze gelegen, ist jetzt an Samstagen Ausgangspunkt für den „Bowie-Walk“ mit Philipp Stratmann. Der Fremdenführer erklärt den überwiegend britischen Bowie-Fans, warum der Musiker Mitte der 1970er-Jahre von der Stadt so fasziniert war. Und wie er in den Hansa-Studios einige seiner besten Alben, darunter „Heroes“, schuf. Stratmann führt die Pop-Touristen am einstigen Todesstreifen entlang zum Studiogebäude in der Köthener Straße und abschließend zur Schöneberger Hauptstraße 155, wo der Musiker 1976 bis 1978 weitgehend anonym lebte und seine Kokainsucht überwand. Dort wurde im Sommer eine Gedenktafel aufgehängt.

New York

Bowie sah sich viele Jahre als New Yorker. Doch selbst Fans wussten nicht, dass der nach einem Herzinfarkt mit Ehefrau Iman (61) und Tochter Alexandra sehr zurückgezogen lebende Popstar hier zu Hause war. Nach seinem Tod sprach es sich dann doch schnell herum. „We can be heroes, just for one day“ stand in Anlehnung an Bowies bekannteste Hymne auf der Anzeigentafel des „Hard Rock Cafés“ am Times Square. Ans Plakat des Bowie-Musicals „Lazarus“ steckten Menschen Blumen. Am spür- und sichtbarsten ist die Trauer bis heute immer noch vor seinem Wohnhaus in der Lafayette Street.

Bowie war auch in New York kreativ, wie seine herausragenden Spätwerke „The Next Day“ (2013) und „Blackstar“ (2016) beweisen. Das Aufnahmestudio „Magic Shop“, wo das an Bowies 69. Geburtstag erschienene letzte Album entstand, lag nur wenige Hundert Meter von seiner Haustür entfernt in der Crosby Street.