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Über ein volles PZ-Forum freut sich Claudia Baumbusch. Foto: Ketterl
Über ein volles PZ-Forum freut sich Claudia Baumbusch. Foto: Ketterl
Henri Matisse im Selbstporträt von 1906. Foto: Städel, dpa
Henri Matisse im Selbstporträt von 1906. Foto: Städel, dpa
Stillleben mit „Der Tanz“ von Henri Matisse aus dem Jahr 1909. Foto: Städel, dpa
Stillleben mit „Der Tanz“ von Henri Matisse aus dem Jahr 1909. Foto: Städel, dpa
28.09.2017

Henri Matisse und Pierre Bonnard - Vortrag von Kunsthistorikerin Claudia Baumbusch im PZ-Forum

Pforzheim. Beide waren älter als 30 Jahre, als sie sich der Malerei zuwandten: Henri Matisse (1869–1954) und Pierre Bonnard (1867–1947). Die zwei Maler, die als Hauptvertreter der französischen Moderne gelten, verband danach eine über 40-jährige Künstlerfreundschaft. In 62 Briefen brachten sie gegenseitig ihre Wertschätzung zum Ausdruck, schrieben nur wenig über Kunst. Dabei hatten sie oft ähnliche Sujets. Sie setzten sich mit dem Interieur, Stillleben, weiblichen Akt und der Landschaft auseinander, blieben der figurativen Malerei verhaftet. Doch: „Jeder hat seine individuelle Form- und Farbsprache“, sagt Kunsthistorikerin Claudia Baumbusch bei ihrem spannenden Vortrag im PZ-Forum.

Luxus kontra Bescheidenheit

Vor allem unterschieden sich die Künstler, die sich 1906 erstmals begegneten und später an die Côte d’Azur zogen, durch ihre Persönlichkeit. „Sie waren ein Künstlerpaar, aber ganz unterschiedliche Charaktere“, so Baumbusch. Der eine, Matisse, ein Selbstdarsteller, der das Leben bejaht und den Luxus liebt. Der andere, Bonnard, rückzugsgewandt, ruhig und bescheiden. Bonnards Selbstporträt von 1930 zeigt einen gekrümmten, halb aus dem Bild gedrehten Mann, dessen Augen nicht zu erkennen sind. Das Matisse-Selbstporträt von 1906 dagegen zeigt jemanden, der sich herausfordernd in den Vordergrund rückt. Die aktuelle Sonderausstellung „Matisse – Bonnard: Es lebe die Malerei!“ im Städel Museum Frankfurt, deren Titel von einer Postkarte stammt, zeigt den Dialog der zwei Maler auf. Verblüffend ähnliche und doch in Stimmung und Malweise verschiedene Werke wie „Großer liegender Akt“ von Matisse (1935) und Bonnards „Liegender Akt auf weißblau kariertem Grund“ von 1909 werden dabei einander gegenübergestellt.

„Wir können dem Modell nicht ins Gesicht blicken“, sagt die Kunsthistorikerin etwa über Bonnards Gemälde. Der Künstler, der in seinen Anfängen der Gruppe der Nabis („Die Propheten“) angehörte, oft dem späten Impressionismus zugeordnet wird und 400 Gemälde schuf, habe stets aus der Erinnerung gemalt. Als Modell diente ihm seine Frau Marthe – als junge Frau. Bei Matisse, der reduzierte Formen wählte und eher dem frühen Expressionismus zugeordnet wird, mussten die Modelle stundenlang posieren – etwa seine Assistentin Lydia, die seine Ehe zum Scheitern brachte.

„Matisse war ein Maler des Ornaments“, machte Baumbusch anhand seiner Innenraum-Darstellungen deutlich, etwa „Pianistin und Damespieler“ von 1924. Hell, klar und freundlich zeige das Bild die gleichen Motive wie Bonnards „Abend im Wohnzimmer“ von 1907 – nur sei dieses verschwommen und diffus im Licht.

Hier Lebensfreude, da Unruhe

Flächendeckend und ein Feuerwerk der Farbzusammenstellung sei auch die „Odaliske mit einem Tamburin“ (1925/26) von Matisse, Bonnards „Akt vor dem Spiegel“ (1931) indes wie ein Irrgarten mit latenter Unruhe. Schwingt bei dem einen viel Lebensfreude mit, so haben die anderen Gemälde etwas Erschütterndes. Doch beide Künstler, so Baumbusch, hatten nur eines im Sinn: „Es lebe die Malerei“.