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Die Künstlerin Dominique Fidanza alias Sighanda erläutert im Hermann-Hesse-Museum ihre Werke. Von links: Calws OB Ralf Eggert, Museumsleiterin Felizitas Günther, Sighanda, Sighanda-Lebensgefährte Matteo Genisi und Timo Heiler, stellvertretender Leiter des Hesse-Museums. Foto: Recklies
Die Künstlerin Dominique Fidanza alias Sighanda erläutert im Hermann-Hesse-Museum ihre Werke. Von links: Calws OB Ralf Eggert, Museumsleiterin Felizitas Günther, Sighanda, Sighanda-Lebensgefährte Matteo Genisi und Timo Heiler, stellvertretender Leiter des Hesse-Museums. Foto: Recklies
Vor rund 100 Jahren könnte Hesse die Orte im Tessin so erlebt haben. Foto: Recklies
Vor rund 100 Jahren könnte Hesse die Orte im Tessin so erlebt haben. Foto: Recklies
Die stilistische Nähe Sighandas zu Hesses Aquarellen ist gewollt. Foto: Recklies
Die stilistische Nähe Sighandas zu Hesses Aquarellen ist gewollt. Foto: Recklies
Hier lebte Hesse einst: die Casa Camuzzi in Montagnola. Foto: Recklies
Hier lebte Hesse einst: die Casa Camuzzi in Montagnola. Foto: Recklies
27.03.2017

Hesse-Museum zeigt Arbeiten der Schweizer Künstlerin Sighanda

Calw. Das ist für mich etwas ganz Besonderes“, sagt Dominique Fidanza alias Si-ghanda, als sie durch die Ausstellung „Hermann Hesse: Eine Mythologie des Tessins“ im Calwer Hermann-Hesse-Museum spaziert. Gerade hat die im Tessin lebende Künstlerin erstmals ihre knapp 40 Aquarelle im Dialog mit 15 Aquarellen des Literaturnobelpreisträgers gesehen und ist von der Zusammenstellung sehr angetan. Natürlich habe sie bereits Hesses Aquarelle, die dieser in seiner Zeit im Tessin von 1919 an gemalt hat, gekannt – die direkte Gegenüberstellung sei für sie aber „eine ganz besondere Ehre“, sagt Sighanda.

„Klingsors letzter Sommer“

Eineinhalb Jahre lang wandelte die Schweizer Künstlerin, die sich vor allem auf die Illustration von Reisen spezialisiert hat, im Tessin auf den Spuren Hermann Hesses – inspiriert von dessen 1919 geschriebener Erzählung „Klingsors letzter Sommer“. Sie hat Aquarelle mit Motiven geschaffen, wie sie der Maler Klingsor oder eben Hermann Hesse vor knapp 100 Jahren vor Augen gehabt haben könnten. Die stilistische Nähe zu Hermann Hesses Aquarellen – die in Calw gezeigten Originale stammen aus der Sammlung der Sparkasse Pforzheim Calw und sind zwischen 1919 und 1926 entstanden – ist dabei durchaus gewollt, allerdings nicht erzwungen. Dass sich ihre bereits mehrfach preisgekrönte Art der Dokumentation und Illustration von Reisen – mit Tusche und Aquarellfarben – nicht nur für die Vermittlung besonderer Reiseeindrücke eignet, sondern auch, um dem Leben und Wirken Hesses nachzuspüren, wird in der jetzt in Calw eröffneten Jahresausstellung unmittelbar erlebbar. Sighanda hat Orte, die in dem stark autobiografisch geprägten „Klingsors letzter Sommer“ eine Rolle spielen, besucht und vor Ort mit Tusche und Aquarellfarben versucht nachzuspüren, was Hermann Hesse im Sommer 1919 gefühlt haben muss. Damals hatte er sich – zum Start einer neuen Lebensphase, nachdem er seine Familie verlassen hatte und in die Schweiz gezogen war – in Montagnola und dort in der Casa Calmuzzi in Montagnola (heute: Collina d’Oro) niedergelassen.

Mit Textauszügen kombiniert

Sämtliche Sighanda- und Hesse-Aquarelle sind in der Schau von Textauszügen der Klingsor-Erzählung umgeben. Schon im Foyer stoßen die Besucher auf eine der ersten Ausgaben der Erzählung und können sich umfassendes Bild davon machen, was Dominique Fidanza zu ihren Werken inspiriert hat. Und wie Hesse, dessen Bücher die Künstlerin bereits seit ihrer Jugend kennt, seine beginnende Zeit im Tessin erlebt haben muss. Schließlich habe der Nobelpreisträger in dem Buch sprachlich „geradezu einen Farbrausch ausgelebt“, wie die Leiterin des Hermann-Hesse-Museums Felicitas Günther bei der Eröffnung sagte. Dieser habe sich auch in Hesses Bildern und nun in Si-ghandas Werken manifestiert.