nach oben
Richard Melville alias Moby.  Olive
Richard Melville alias Moby. Olive
02.03.2018

Hoffnung vor dem Weltuntergang

Ein Beschwörer des reinen, unbeschwerten Spaßes war Moby noch nie. Schon in den alten Rave- und Dance-Zeiten hat das Multitalent Wert auf Texte mit Tiefgang gelegt, von seinem politischen Aktivismus für Tierrechte und gegen mehrere republikanische US-Präsidenten ganz zu schweigen. Auf der neuen Platte, die gestern erschien, schlägt der 52-Jährige jetzt aber sehr nachdenkliche, teils dunkle Töne an: mit Gospel-Chören, elektronischer Instrumentierung und geflüsterten Versen.

„Es gibt durchaus noch Gründe, optimistisch zu sein“, räumt Moby ein. „Doch es gibt auch viele gefährliche Dinge und Aussichten, die mich beschäftigen.“ Genau diese musikalisch anzupacken, sei die Idee, die hinter dem jüngsten – seinem 15. – Longplayer steht. Der Albumtitel „Everything Was Beautiful, And Nothing Hurt“ (Alles war schön, und nichts tat weh) – ein Zitat des Romans „Schlachthof 5“ von Kurt Vonnegut – kann bestenfalls ironisch gemeint sein. Der erste Song „Mere Anarchy“ beschreibt eine chaotische, postapokalyptische Welt, in der Außerirdische die verlassene, verwüstete Erde besuchen.

Am anderen Ende schließt „A Dark Cloud Is Coming“ den Bogen. Was für eine finstere Wolke da genau heranzieht, will Moby nicht verraten. Er sehe große Gefahren am Horizont: Resistenzen von Bakterien gegen Antibiotika, gezüchtete Killerviren, nukleare Kriege. Er sehe aber auch Hoffnung: „Wir lernen langsam Methoden, um Dinge zu verbessern.“