nach oben
Der erfolgreichste Film aller Zeiten: „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ spielte rund 2,8 Milliarden Dollar ein. Foto: Fox
Der erfolgreichste Film aller Zeiten: „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ spielte rund 2,8 Milliarden Dollar ein. Foto: Fox
18.08.2017

Hollywood braucht China: Wirtschaftssanktionen unter US-Präsident Trump würde Filmwirtschaft schaden

San Francisco. Micky Maus, Superman und „Game of Thrones“. Coca-Cola und McDonald’s, Apple, Google und Facebook. Musik von Madonna und Michael Jackson, Bob Dylan und Beyoncé. Rocky Balboa und Michael Jordan. Filme mit Brad Pitt und Robert De Niro, Meryl Streep und Tom Hanks – wo fängt es an, wo hört man auf, wenn man den kulturellen Einfluss der USA auf den Rest der Welt bemessen will? Das Image der Supermacht mag unter Präsident Donald Trump wanken, das Reich der (Pop-)Kultur beherrscht sie bis heute.

Das gilt vor allem im Film: Mit blauhäutigen Wesen, einem Liebespaar auf der sinkenden Titanic und galaktischen Raumschiffen hat Hollywoods Traumfabrik weltweit die Spitzenplätze sicher im Griff. Den Verkaufsrekord rund um den Globus hält „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ (2009) mit 2,79 Milliarden US-Dollar, gefolgt von „Titanic“ (2,19 Milliarden) und „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (2,07 Milliarden). Bezieht man steigende Ticketpreise der vergangenen Jahrzehnte ein, gehören auch „Vom Winde verweht“ (1939), der allererste „Star Wars“-Film aus dem Jahr 1977 sowie „E.T.“ zu den größten Verdienern der Kinogeschichte.

Der Einfluss Chinas, wo die weltweit zweitgrößte Filmindustrie zu Hause ist, wächst. Kein Film der Traumfabrik Hollywood kann heute international ein Kassenschlager werden, ohne im Reich der Mitte erfolgreich zu sein. Im Star Wars-Abenteuer „Rogue One“ spielen chinesische Filmstars mit, in der Neuauflage von „Independence Day“ kämpften Amerikaner und Chinesen gemeinsam um die Rettung der Erde, mit dem chinesischen Star Yang Ying als hübscher Kampfpilotin.

Der chinesische Film prescht voran: Chinas Regisseur Zhang Yimou drehte etwa die 140-Millionen-Dollar-Produktion „The Great Wall“ mit Matt Damon und Produzenten aus Hollywood. Wenn Tom Cruise in „Mission Impossible 3“ durch Shanghai rast oder die „Transformers“ Hongkong demolieren, dann hat Hollywood das wachsende chinesische Publikum im Auge. Doch der Zugang zum chinesischen Massenmarkt hat Hürden, es gibt Quoten und Zensur für ausländische Filme. Ein Handelskrieg der USA mit China könnte Hollywoods „Happy End“ gefährden. Zugleich stemmen sich andere Filmindustrien gegen die Allmacht der Studios aus Kalifornien, etwa die „James Bond“-Filme aus Großbritannien oder Werke aus Indien (Bollywood) und Nigeria (Nollywood).

Unantastbar bleiben

Eine Mischung aus künstlerischer Freiheit, Unternehmergeist und fetten Budgets festigte die (pop)kulturelle Vormachtstellung der USA über Jahrzehnte. Sehr oft waren dabei Talente aus dem Ausland die treibenden Kräfte, die unter Trump ihre Rolle in der amerikanischen Gesellschaft nun hinterfragt sehen. Im Kino werde den USA so schnell jedenfalls kein Land das Wasser reichen können, schreibt das Magazin „Foreign Policy“; „Wenn Hollywood weiter die Besten und Hellsten aus dem Ausland anzieht, wird es unantastbar, egal wie weit der Rest der USA verfällt.“