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Virtuoses Spiel, heitere Darbietung: Thilo Wagner (links), Lindy Huppertsberg und Hans-Peter Schucker in gekonntem Zusammenspiel. Foto: Frommer
Virtuoses Spiel, heitere Darbietung: Thilo Wagner (links), Lindy Huppertsberg und Hans-Peter Schucker in gekonntem Zusammenspiel. Foto: Frommer
01.08.2017

Hommage an Oscar Peterson in der Jazzlounge „domicile“

Pforzheim. Relaxt und humorvoll: Bei sommerlichen Temperaturen sorgte das Thilo Wagner Trio am Sonntagabend in der Jazzlounge „domicile“ für swingende Unterhaltung im Stil Oscar Petersons.

Alle drei Musiker – Thilo Wagner (Piano), Lindy Huppertsberg (Kontrabass) und Hans-Peter Schucker (Schlagzeug) – sind, im allerbesten Sinne des Wortes, altgediente Jazz-Protagonisten. Wagner begann das Klavierspiel bereits im Alter von fünf Jahren. Er lebt in Bad Cannstatt und war in der Goldstadt beispielsweise auch bereits mit der Münchner Allotria Jazzband zu sehen und zu hören. Er gilt längst als Pianist von internationalem Rang. Seine faszinierend vitale und virtuose Improvisationskunst stand durchgängig im Mittelpunkt des Konzerts in Axel Klauschkes Brötzinger Jazzlokal.

Lindy Huppertsberg kam, wie sie im Gespräch deutlich machte, erst mit 28 Jahren bei der Frankfurter Barrelhouse Jazzband zum Kontrabass. Dann sei es aber „Liebe auf den ersten Ton gewesen“ – und offensichtlich auch geblieben. Mit ihrer „Walking Bass“-Spielweise und ihrem Gesang zu Billie Holidays Klassiker „Everything Happens To Me“ sorgte „Lady Bass“ Huppertsberg für eine ganze Reihe weiterer Glanzlichter.

Schlagzeuger Hans-Peter Schucker ist in Rüppur zu Hause und den Pforzheimer Jazzfans beispielsweise aus seiner Zeit bei den „Chicagoans“ bestens vertraut. Er sorgte mit präzisem und variantenreichem Spiel für Drive und Dynamik des exzellenten Trios: Getragene Titel wie „Second Time Around“ begleitete er dezent mit den schleifenden Besen auf der Snare, schwungvollere Titel wie „For Sonny Rollins“ verlieh er Pep und Wucht. Die permanenten Wechsel des Trios zwischen laut und leise, zwischen zielstrebigem Drive und mäandernder Improvisation, zwischen druckvollen und filigranen Passagen trug maßgeblich zum besonderen Reiz des sommerlichen Jazz-Abends bei.

Die Heiterkeit der Protagonisten übertrug sich auch aufs Publikum. Zwei perfekt dargebotene Zugaben waren am Ende des Konzertabends die fast logische Folge: „I‘m Old-Fashioned“ und „Once I Had A Secret Love“. Bereits zuvor zeigte das Thilo Wagner Trio eindrucksvoll und heiter (anhand des Evergreens „Over In The Gloryland“), wie man mit halsbrecherischen, aber gekonnten Piano-Läufen samt atemberaubenden Punktlandungen einem an sich totgespielten Titel – lächelnd und (scheinbar) federleicht – zu ganz neuem Eigenleben verhelfen kann. Eine Sternstunde.