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20.09.2016

Hommage an Udo Jürgens in Nußbaum

Neulingen. Die Zugabe gibt es leider nicht im weißen Bademantel. Aber sonst ist die Hommage an Udo Jürgens perfekt: In der Nussbaumer Pfarrscheuer erinnert das „Trio Palazzo“ an den Entertainer, der vor rund zwei Jahren verstorben ist.

Die drei Musiker verzichten auf ein imposantes Bühnenbild, auf Lichteffekte – sogar auf Mikrofone. Ihnen reichen Stimmen und Instrumente vollkommen aus.

Charme und Scherze

Stilsicher und voller Temperament bringt Tenor Andreas Barth Steinborn die größten Hits des Entertainers zum Vortrag. Seine Stimme hat Kraft, seine lockere Art kommt an. Er schenkt den Zuhörern „griechischen Wein“ ein, träumt von New York, lässt sich in einem „ehrenwerten Haus“ nieder, bedankt sich freundlich für die Blumen und überlegt, was man „mit 66 Jahren“ noch alles anstellen kann. Den Zuhörern schaut er direkt in die Augen, begrüßt sie charmant mit Handschlag, macht Scherze.

An der Trompete spannt Jonathan Beisiegel weite Melodiebögen aus, während Uwe Kohls am Klavier mit einem hervorragenden Tastenanschlag brilliert. Das Publikum hat seinen Spaß, klatscht mit, singt mit – nur tanzen will es nicht.

Es ist ein kurzweiliger Abend, der einen erst erkennen lässt, was Udo Jürgens in seinen 60 Jahren auf der Bühne alles geleistet hat: rund tausend Eigenkompositionen, 50 Alben und mehr als hundert Millionen verkaufte Tonträger in aller Welt. Die Musiker lesen aus Interviews vor, geben Anekdoten zum Besten und ermöglichen so einen Einblick in das Leben eines der größten Chansoniers aller Zeiten. Sie beginnen bei den Anfängen, die alles andere als glamourös waren: In den 1950er-Jahren spielt Udo Jürgens in Bars für Soldaten und Prostituierte. Der Durchbruch kommt erst 1966 mit „Merci, Chérie“ beim Grand Prix in Luxemburg. Das „Trio Palazzo“ zeigt Udo Jürgens nicht nur als Entertainer, sondern als Menschen – mit all seinen Schwächen. Zum Beispiel für das weibliche Geschlecht. „Liebe ohne Leiden“ heißt zwar einer seiner größten Hits, aber im wahren Leben bekommt Udo Jürgens das nicht hin. Seine Ehen scheitern, und „die Liste seiner Geliebten war haremslang.“ Es ist ein gelungener Abend – vollgepackt mit guter Musik und Erinnerungen an einen der ganz Großen des Showgeschäfts.