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Meisterwerk: Der ehemalige Leiter des Schmuckmuseums Fritz Falk betrachtet die „Himmelsscheibe von Nebra“ (autorisierte Kopie ) in der Ausstellung „Himmlisch“. Fotos: Seibel/Schmuckmuseum
Meisterwerk: Der ehemalige Leiter des Schmuckmuseums Fritz Falk betrachtet die „Himmelsscheibe von Nebra“ (autorisierte Kopie ) in der Ausstellung „Himmlisch“. Fotos: Seibel/Schmuckmuseum
08.07.2016

Im Bann der Gestirne – Sonderausstellung „Himmlisch“

Pforzheim. Sonne, Mond und Sterne stehen in vielerlei Facetten im Zentrum der Schau, die von Freitag an im Reuchlinhaus Pforzheim zu sehen ist.

Warum beschäftigen die Himmelskörper uns Erdenmenschen seit Jahrtausenden? Warum einen die Gestirne ganz unterschiedliche Völker und Kulturen in der Art, wie sie in die Kunst und Kultur – und in vielfältiger Weise auch in den Schmuck – Eingang finden? Es mag damit zusammenhängen, dass diese göttlichen Zeichen am Himmel immer schon eine besondere Bedeutung hatten. „Denn in den magischen, mythologischen und religiösen Vorstellungen der Menschen galten die Gestirne einerseits als Bewahrer des Glücks und des Wohlstands, andererseits als Boten und Träger böser Mächte“, sagt Fritz Falk, Kurator einer Ausstellung, wie sie für das Schmuckmuseum Pforzheim kaum naheliegender sein könnte: „Himmlisch. Sonne, Mond und Sterne im Schmuck“, die große Sonderschau mit rund 130 Exponaten, ist am Donnerstagabend im Reuchlinhaus eröffnet worden.

Eine Ausstellung zum Staunen, zum Träumen und auch zum Nachdenken. Denn Falk lässt nicht chronologisch die Jahrtausende in den Vitrinen vorbeiziehen, sondern ordnet den historischen Stücken jeweils Arbeiten zeitgenössischer Schmuckkünstler bei. „Dadurch bauen wir eine Spannung auf“, sagt der ehemalige Leiter des Schmuckmuseums. Und: „Wir fordern die Besucher heraus, nachzudenken, warum wir welche Stücke zusammen in eine Vitrine gepackt haben.“

Das hat beispielsweise ästhetische Gründe: Da geht eine kleine römische Büste des Sonnengottes Sol aus dem dritten bis vierten Jahrhundert eine Liaison mit der Freiheitsstatue ein, die Sabine Finkbeiner in einer Brosche bunt und peppig darstellt. Bindeglied ist der Strahlenkranz, der beider Häupter umgibt. Manchmal ist es aber auch fast ein Zufall, der Stücke vereint, wie bei der Originalnachbildung der Himmelsscheibe von Nebra aus dem Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle/ Saale und dem betont schlichten Halsschmuck „Mond“ von Dorothea Prühl. Die Mondsicheln der Scheibe scheinen fast deckungsgleich mit denen der Kette der bekannten Goldschmiedin, die eine Professur an der Hochschule in Halle innehatte. Manches ist aber einfach der Genialität des Ausstellungsmachers Fritz Falk zu verdanken: Da geht der wunderbare, feinst gearbeitete Zierkamm mit untergehender Sonne des berühmten Künstlers René Lalique (1860–1945) eine augenfällige Verbindung mit der Brosche des 1946 geborenen Schmuckgestalters Wahei Ikezawa ein, „denn Jugendstil wäre ohne den Einfluss Japans nicht denkbar“, sagt Falk.

Kaiserin Sissi und ihr Sternenschmuck, die Preziosen von Carl Fabergé, die sehenswert-raffinierten Taschenuhren, der Brillanten-Schmuck von Chanel und Chopard, die teils großvolumigen Schmuckstücke der Ahanti, der Jemeniten und Chinesen, ja selbst Orden und Ehrenzeichen – alle stehen sie im Zeichen der Gestirne und ziehen bei dieser fabelhaften Ausstellung die Betrachter in ihren Bann.