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Gudrun Landgrebe
Gudrun Landgrebe
13.12.2016

Im Bann von Wörtern und Sätzen: Gudrun Landgrebe im Mühlacker Uhlandbau

Mühlacker. Sich auf eine Theaterbühne zu stellen und gut zwei Stunden lang mit nur einer Pause vor mehreren Hundert Menschen einen Romantext zu rezitieren, und zwar so, dass die Zuhörer konzentriert lauschen und in den Bann von Wörtern und Sätzen geraten, ist Kunst. Gudrun Landgrebe gelingt dieses Kunststück, auch am Freitagabend im Mühlacker Uhlandbau.

Im schwarzen, ihre schlanke Figur betonenden Hosenanzug geht sie ans Mikrofon, setzt sich eine Brille auf und beginnt, einen Stoß Textblätter in der Hand, aus Francoise Sagan’s berühmten Roman „Bonjour Tristesse“ zu lesen: „Ich zögere, diesem fremden Gefühl, dessen sanfter Schmerz mich bedrückt, seinen schönen und ernsten Namen zu geben: Traurigkeit“. Unvermittelt ist sie selbst Cécile, die Ich-Erzählerin, die mit ihrem Vater Raymond und Elsa, dessen Geliebter, in mondänem Milieu an der französischen Riviera ihre Ferien verbringt. Die verwöhnte Sechzehnjährige fädelt eine raffinierte , tragisch-traurig endende Jungmädchen-Intrige gegen Anne ein, die eine frühere Bekannte des Vaters ist und mit ihren strengen bürgerlichen Maßstäben in das freizügige Sommer-Idyll einbricht.

Scheinbar mühelos gelingt es Landgrebe, sich einzufühlen und die geistig-seelische Verfassung des Mädchens dem faszinierten Publikum zu vermitteln. Obwohl sie eine vielbeschäftigte populäre (Film-)Schauspielerin („Die flambierte Frau“) ist, die ihr Handwerk auch am Stadttheater Pforzheim (im „Osterfeld“) gelernt hat, benötigt sie dazu kaum Gesten oder mimische Finessen. Sie setzt ganz auf die Wirkung der Sprache und ihrer sanft-weichen, melancholisch gefärbten Stimme, die sie fein differenzierend in Lautstärke, Betonung und Sprechtempo, mit wunderbar artikulierender Klarheit einsetzt.

Stimmungsvoll umrahmt – und zu einem literarisch-musikalischen Ereignis verdichtet – wurde die Veranstaltung der Mühlacker Volkshochschule von der Sängerin Christa Platzer, die zusammen mit ihrer Combo-Band Chansons von Edith Piaf vortrug, darunter „La vie en rose“, „Milord“ und natürlich „Non, je ne regrette rien“. Und zwar mit präsenter, schneidender Singstimme und charismatisch wie die Piaf, das schnurrend-rollende „R“ inbegriffen. Ein schöner Abend.