nach oben
Paul (Thomas Peters) und Alice (Katja Thiele) sind schon lange verheiratet – aber sie haben wichtige Geheimnisse voreinander. Foto: Haymann
Paul (Thomas Peters) und Alice (Katja Thiele) sind schon lange verheiratet – aber sie haben wichtige Geheimnisse voreinander. Foto: Haymann
06.11.2015

Im Lügenlabyrinth: Kammer-Komödie „Die Lüge“ feiert Premiere im Podium des Theaters Pforzheim

Pforzheim. „Die Lüge“ – nüchtern ist der Titel des Theaterstücks, das am Samstagabend im Podium Premiere als deutsche Erstaufführung feiert. Er ist vor allem eine Untertreibung. Nicht bloß eine Lüge ist es, die die Handlung der Kammer-Komödie des französischen Autors Florian Zeller vorantreibt. Hier führt eine Lüge zur anderen. Was sich auftut, ist eine Stimmung des Misstrauens, in der niemand mehr zu wissen scheint, was Wahrheit ist. Am wenigsten die Protagonisten selbst, die sich von liebgewonnen Meinungen teils brutal verabschieden müssen.

Alice und Paul, seit 20 Jahren verheiratet, haben ihre besten Freunde, Laurence und Michel, zum Abendessen eingeladen. Kurz bevor die beiden eintreffen, hat Alice plötzlich keine Lust mehr und versucht Paul zu überreden, das Essen abzusagen. Der Grund: Am Nachmittag hat sie beim Shopping Michel gesehen, wie er beim Verlassen eines Geschäfts eine fremde Frau geküsst hat! Das Problem: Sie weiß nicht, wie sie sich verhalten soll – ihrer Freundin alles sagen, oder den ganzen Abend so tun, als wäre nichts geschehen? Aber in dem Moment, in dem Paul absagen will, klingelt es, die beiden stehen vor der Tür. Was nun?

Aus dieser Konstellation entwickelt Zeller ein raffiniertes Spiel voller Esprit und französischer Ironie. Mit verzweifelten Versuchen nach Alibis und mit brillanten Dialogen entsteht ein Puzzle, in dem es auch um die wichtigste aller Fragen geht: Wie viel Wahrheit steckt in der Lüge? Ist es wahr, dass die Lüge ein Beweis von Freundschaft sein kann – oder sogar von Liebe? Für diesen Theaterabend mit philosophischer Tiefe braucht es dabei nicht mehr als vier Schauspieler, ein einfaches Bühnenbild und die genialen Dialoge des Stücks, die aus dem alltäglichen Gerede heraus existenzielle Fragen behandeln – dabei aber nie den Boden der Komödie verlassen. „Wir proben jetzt seit sechs Wochen an dem Stück“, sagt Regisseur Thomas Limpinsel. „Aber die Dialoge sind teilweise so lustig, dass auch ich immer wieder lachen muss.“ Und gewiss auch die Zuschauer.