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Störenfried Papageno (Paul Jadach) platzt ständig in die Aufführung. Molnar
Störenfried Papageno (Paul Jadach) platzt ständig in die Aufführung. Molnar
15.11.2016

Im Reich der Fantasie - Erstes Kinderkonzert im Theater mit der Badischen Philharmonie Pforzheim

Zwei, die abends nicht schlafen wollen und wild in ihren Betten hüpfen: Den Zuschauern beim ersten Kinderkonzert im Stadttheater dürfte das bekannt vorkommen.

Gespannt verfolgen sie, wie Theo und Lotte zu zackigen Kompositionen von Erich Korngold über die Bühne wirbeln – bis die Mutter mit Spagat durch die Luft fliegt, ihren Zeigefinger erhebt und sie ohne Abendbrot ins Bett schickt.

Und Papageno pfeift dazu

Kaum allein, verwandelt sich das Kinderzimmer in einen verwunschenen Wald. Ein Segelboot bringt die Geschwister auf eine Insel, wo wilde Räuber mit fürchterlichen Krallen wohnen – und ein lustig pfeifender Vogelfänger, der sein wohlbekanntes Liedchen aus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ singt.

Kinderbuch als Basis

„Im Reich der Fantasie“ heißt die Geschichte, die auf Maurice Sendaks Kinderbuch „Wo die wilden Kerle wohnen“ basiert und von Musikpädagoge und Erzähler Christof Traxel umgeschrieben, angepasst und in Zusammenarbeit mit Kapellmeister Tobias Leppert musikalisch unterlegt wurde – mit Stücken von Wolfgang Amadeus Mozart, Edvard Grieg, Peter Tschaikowsky und John Williams. Unter Lepperts Leitung zeichnet die Badische Philharmonie Pforzheim ein klangvolles Stimmungsbild: Da werden Theo und Lotte (Johannes Blattner und Evi van Wieren aus dem Ballett-Ensemble, ebenso Stefaan Morrow als Mutter) sanft mit der „Morgenstimmung“ aus Griegs Peer-Gynt-Suite geweckt, da fürchten sie sich beim Gang durch den finsteren Wald mit all seinen fremdartigen Geräuschen, die das Orchester mit dem geheimnisvoll gestalteten „Arabischen Tanz“ aus der Nussknacker-Suite erzeugt. Gelacht wird vor allem, wenn Störenfried Papageno (Paul Jadach) mit Mozart-Perücke, grünem Frack und Pausbacken hinter den Musikern hereinschleicht, den Erzähler erschreckt und ständig in die Geschichte platzt. Mit der fröhlichen, als Zugabe nochmals präsentierten Vogelfänger-Arie zeigt er dann auch, was stimmlich in ihm steckt.

Sehnsuchtsvolle Klänge

Konzeptmacher Christof Traxel sitzt nicht nur lesend im Märchensessel, sondern steht auch schlagend an der Pauke – bei „In der Halle des Bergkönigs“ aus Peer Gynt zum Beispiel, das mit leisem Pizzicato der Celli und Bässe beginnt, sich mit hellen Klängen von Bläsern und Violinen erweitert und allmählich immer lauter und schneller wird. Doch das Heimweh der kleinen Abenteurer ist groß, mit Korngolds Thema und Variationen op. 42 stimmt das Orchester melancholisch-sehnsuchtsvolle Klänge an. Und nach einem Happy End und donnernden Applaus gibt’s auch noch mal John Williams’ mitreißende Filmmusik aus „Harry Potter“.