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Ansteckende Leidenschaft: Isao Nakamura (rechts) und seine Perkussion-Studenten bringen die Zuschauer in der Festhalle Königsbach zum Tanzen. Foto: Molnar
Ansteckende Leidenschaft: Isao Nakamura (rechts) und seine Perkussion-Studenten bringen die Zuschauer in der Festhalle Königsbach zum Tanzen. Foto: Molnar
15.05.2017

Im Samba-Fieber: Isao Nakamura und seine Studenten reißen das pro-arte-Publikum von den Stühlen

Königsbach. Das hat es bei pro arte noch nie gegeben: Dass ein Japaner brasilianischen Samba vorlebt, dass die Zuschauer begeistert Schritte üben und dass am Ende alle um die Stühle tanzen. Von klassischer Konzertatmosphäre keine Spur – Königsbach ist auf den Beinen und voll im Samba-Fieber. Kein Wunder: Die Begeisterung und Hingabe von Isao Nakamura ist einfach ansteckend. Der Karlsruher Musikhochschul-Professor strahlt, trommelt und sprüht förmlich vor Energie. Und mit ihm seine Studenten, die mit Shakern, Handtrommeln und Agogo-Bells einen Höllenlärm machen – und für eine ausgelassene Stimmung sorgen.

Doch bis es soweit ist, müssen sich die zahlreichen Zuhörer gedulden: Samba steht erst im zweiten Teil auf dem Programm. Vorher lässt Nakamura seinen jungen, asiatischen Musikern den Vortritt – mit zeitgenössischen Werken für Marimba. Wenn es auch ein wenig braucht, sich auf die Rhythmen von Komponisten aus Hongkong, Japan und Tel Aviv einzulassen, so springt der Funke doch bald über.

Yao-Te Hsieh und Shingo Takase lassen es mit Avner Dormans „Udacrep Akubrad“ grooven, spielen im Duo an zwei Marimbas und Bongos. Die klangreichen Wechsel sind aufs Genauste getimt, schön auch die Stille beim Handtrommeln auf den Holzstäben. Takase begeistert zudem mit einer Bodypercussion im Sitzen, bei dem sein Körper als Schlaginstrument dient. Witzig dabei das Grübeln zwischen Klatschen, Brusttrommeln und Schnipsen. Temperamentvoll auch das Solo von Terumi Oishibashi, die bei „Ripple for solo Marimba“ von Akira Miyoshi mit furiosen Tremoli viel Rhythmusgefühl zeigt. Japanische Rufe wie beim Kampfsport gibt es auch bei dem fantastischen „Marimba Spiritual“ mit Perkussion-Trio. Solistin an den Stabspielen ist Hiromi Shigeno, die oft Gast bei der Badischen Philharmonie ist und in Karlsruhe Marimba doziert. Besonders der zweite Teil des Stücks ist atemberaubend schnell und kraftvoll, der Applaus tosend. Als Isao Nakamura die Samba-Instrmente vorstellt, eine kleine Tanzstunde gibt und seine Schlagzeugklasse mit Trillerpfeife hereinpfeift, will dieser kein Ende nehmen. Was den Abend aber so ganz außergewöhnlich macht – und vielleicht etwas zu kurz kommt – ist die Samba-Musik im Ensemble.