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Zwischen Wolfgang Ambros und seiner Band läuft die Kommunikation reibungslos. Aber manchmal, da kann er musikalisch nicht mehr mithalten.  Frommer
Zwischen Wolfgang Ambros und seiner Band läuft die Kommunikation reibungslos. Aber manchmal, da kann er musikalisch nicht mehr mithalten. Frommer
05.08.2015

In Calw erweckt Wolfgang Ambros die 1970er-Jahre zum Leben

Es ist ein Abend voller Nostalgie: Als Hits wie „Es lebe der Zentralfriedhof“ oder „Schifoan“ Ende der 1970er-Jahre bei einem Millionenpublikum wie der Blitz einschlugen, waren die meisten der bis heute treuen Ambros-Fans jung – zwanzig oder sogar Teenager.

Seine Dylan-Übersetzungen oder der grandios vertonte „Watzmann“ standen in so gut wie jedem vorzeigbaren Plattenschrank, als CD nachgekauft wurden sie hingegen weniger. Wolfgang Ambros ist inzwischen 63, und die wenigsten in seinem Publikum sind unter 40, abgesehen von den vereinzelten Zweit- oder Drittfrauen. Ein vergleichsweise junger Vater im Hirsauer Publikum macht sogar den Versuch, die Austro-Pop-Hits aus dem Wienerwald an die nächste Generation weiterzugeben. Er geht los und trägt sein Töchterchen bei der Zugabe des restlos ausverkauften Konzerts auf den Schultern bis zum Bühnenrand. Das ist eine Szene, wie bei einem Stones-Konzert – nur eben deutlich rarer.

Mehr als vier Jahrzehnte

Was beide und viele andere Zuschauer im ausverkauften Klosterareal erleben, ist Ambros’ musikalische Werkschau, die längst mehr als vier Jahrzehnte umfasst. Fraglos ist es Wolfgang Ambros schon deutlich besser gegangen. Die Rückenoperation und Scheidung im vergangenen Jahr haben ihm zugesetzt. Dennoch legt er beim Hirsauer Klostersommer – unterstützt von einer gut eingespielten Band – ein Konzert hin, das kaum Fan-Wünsche offen lässt und viele Stationen seiner erfolgreichen Karriere musikalisch in Erinnerung ruft.

Überraschung mit Cat Stevens

Wolfgang Ambros und Band – Erich Buchebner (Bass), Günter Dzikowski (Keyboards), Gitti Guggenbichler,  Ursula Gerstbach (beide Gesang), Peter Koller (Gitarre) und Harry Stampfer (Schlagzeug) – beginnen den langen Konzertabend konsequent mit den Songs „Erste große Liebe“ und „Schon gut Mamma“. Weniger getragen, sondern mit klarer Kante wird gleich darauf das Lied „Ignorantenstadl“ dargeboten. Für einen ersten Höhepunkt sorgt Ambros mit dem vom Publikum gefeierten Titel „Schaffnerlos“, den er nicht nur mit der Bluesharp einleitet, sondern zur allgemeinen Überraschung – sogar seiner eigenen Musiker – mit ein paar Akkorden aus Cat Stevens „Father And Son“ anreichert.

Brüchige Stimme

Weniger gelungen wird Georg Danzers Song „Weiße Pferde“ dargeboten, der einzige Titel bei dem Ambros’ brüchig gewordene Stimme nicht mit den hohen Tönen der beiden Backgrundsängerinnen harmoniert. Nach der Pause reihen sich Ambros’ Hits wie die Perlen auf einer Schnur aneinander: „Da Hofa“ (1972), „Corinna, Corinna“ (1978), „Gezeichnet fürs Leben“ (1980) aneinander. Bei der Zugabe – „Zwickt’s mi“, „Zentralfriedhof“ und „Schifoan“ – steht das Publikum geschlossen, schwelgt in eigenen, von Wolfgang Ambros’ Songs frisch beflügelten Erinnerungen. Es applaudiert, tanzt und feiert – an diesem Abend voller Nostalgie.