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Christian Ullenboom will die digitale Geschichte in einem Museum darstellen. Das entsprechende Gebäude hat er schon gekauft. Foto: Thissen
Christian Ullenboom will die digitale Geschichte in einem Museum darstellen. Das entsprechende Gebäude hat er schon gekauft. Foto: Thissen
11.02.2016

In Dortmund wird es bald ein Museum für historische Computerspiele geben

Dortmund. Christian Ullenboom hat einen Plan und ist drauf und dran, ihn umzusetzen: In wenigen Monaten soll das „Deutsche Museum der digitalen Kultur“ in Dortmund eröffnen. An interaktiven Stationen sollen Besucher die Entwicklung von privaten Rechnern und die damit verbundenen – fast schon historischen – Spiele kennenlernen.

„Technische Anwendungen sind für uns heute so selbstverständlich geworden, dass wir sie als solche schon gar nicht mehr wahrnehmen“, sagt Ullenboom. „Meine Generation hat aber noch die ersten Heimcomputer miterlebt.“ In Eigeninitiative will der 42-Jährige die digitale Geschichte bewahren – und die Entwicklung zeigen, die vom ersten Heimcomputer zur heutigen „digitalen Gesellschaft“ führte.

Fast 300 Konsolen

Dafür hat er ein altes Zechengebäude gekauft, das er derzeit instand setzen lässt. Rund 700 Exponate stehen für die verfügbaren fast 2000 Quadratmeter parat: über 250 Spielekonsolen, 200 Heimcomputer – demnächst wird auch ein Flug-Simulator angeliefert. Ullenboom will stärker auf Original-Hardware setzen als das Computerspielemuseum in Berlin, das 1997 als erstes Museum ähnlicher Art weltweit eröffnete. Es gibt viel zu tun. Denn immer wieder verschwinden Spiele in der Versenkung – und drohen auf ewig vergessen zu werden. Erst 2014 buddelten Filmemacher einen Schatz in der Wüste New Mexicos aus: Dort hatte die Firma Atari im Jahr 1983 ihr im Verkauf geflopptes Spiel „E.T.“ lastwagenweise vergraben.

„Aus Sicht eines Computerspielehistorikers ist es zum Teil entsetzlich, was da passiert“, sagt Jochen Koubek, Medienwissenschaftler an der Uni Bayreuth. Er betreut den deutschlandweit ersten Studiengang der Computerspielwissenschaften. „Lange Zeit galten Computerspiele auch bei den Firmen selbst als reines Konsumgut, nicht als Kulturgut“, sagt Koubek. Die Filmindustrie habe ein vergleichbares Problem gehabt: Als in den 1970er-Jahren das Interesse an Filmen aus den Anfängen des Kinos aufflammte, waren viele Filmrollen bereits verrottet. Ein immenser Verlust für Fans und Wissenschaft.

„Noch haben wir die Chance, sehr viel zu bewahren, aber im Moment ist alles vom Engagement der Fan-Szene abhängig – es ist weder systematisiert, noch wird es öffentlich gefördert“, sagt Koubek. Das Urheberrecht bilde zudem für die wenigen Museen oft eine unüberwindbare Hürde. Auch in Dortmund und Berlin müssen die Museen mit jedem Rechteinhaber einzeln abklären, ob sie beispielsweise ein Spiel mit Kopierschutz von einer zerfallenden Diskette retten dürfen. Es ist noch viel Arbeit für Christian Ullenboom. Doch er ist zuversichtlich. Im Frühjahr soll das Deutsche Museum der digitalen Kultur eröffnen.