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Am prächtigen Rokoko-Hof von Joseph II. gibt es genug Möglichkeiten zu Intrige und Verrat.  Klenk
Am prächtigen Rokoko-Hof von Joseph II. gibt es genug Möglichkeiten zu Intrige und Verrat. Klenk
Antonio Salieri (Sebastian Kreutz) ist neidisch auf die musikalische Fähigkeit von Wolfgang Amadeus Mozart (Bastian Nold).
Antonio Salieri (Sebastian Kreutz) ist neidisch auf die musikalische Fähigkeit von Wolfgang Amadeus Mozart (Bastian Nold).
11.08.2015

In Ötigheim kommt Peter Shaffers „Amadeus“ auf die Freilicht-Bühne

Mozart stirbt auf seinem Lieblingsinstrument – dem Flügel – in den Armen seiner Frau. Nein, es handelt sich hier nicht um eine verblüffende neue wissenschaftliche Erkenntnis. Dieses Bild stellt das Finale der „Amadeus“-Inszenierung in Ötigheim dar. Mit musikhistorischer Realität hat dieses Stück wenig zu tun, umso mehr aber mit psychologischer Spannung. Und dass Regisseur Peter Lüdi den verarmten, von seinem Konkurrenten in den Wahnsinn getriebenen Mozart (Bastian Nold) ausgerechnet auf dem Flügel sterben lässt, ist ausgesprochen symbolkräftig.

An ebendiesem Flügel spielte der ehrgeizige, spießige Antonio Salieri (Sebastian Kreutz) einen kleinen Willkommensmarsch für den eben bei Hof eingeführten Wolfgang Amadeus Mozart. Der sich daraufhin an das Instrument setzte und spontan aus dem harmlosen kleinen Marsch die Musik zu einer Arie aus „Die Hochzeit des Figaro“ aus dem Ärmel schüttelt. Eine Schlüsselszene, in der Salieri erkennt, dass Mozart ein Genie ist – dem die musikalischen Einfälle einfach so zufliegen. Das löst bei Salieri, der unbedingt Hofkomponist werden will, keineswegs Begeisterung aus.

Biedermann wird Brandstifter

Sebastian Kreutz vermittelt überzeugend, wie es Salieri innerlich schier zerreißt. Er, der solide mittelmäßige Tonsetzer, ist zwar der einzige bei Hofe, der Mozarts Ausnahmetalent als solches erkennt. Aber wie kann der Gott, dem Salieri einst gelobte, er würde ihn stets loben und preisen, wenn er nur Komponist werden dürfe, wie kann dieser Gott einem Menschen wie Mozart so viel mehr Talent verleihen als ihm? Der bis dahin durchaus ehrenwerte Salieri, seiner ungeliebten Gattin stets treu und altruistisch am Wohl armer Musiker interessiert, verwandelt sich in ein hinterhältiges Monster. Dabei gelingt es Sebastian Kreutz, beim Zuschauer dennoch Verständnis für Salieri zu wecken. All sein redliches, stetes Bemühen bringt Salieri zwar beruflichen Erfolg. Aber nie erreicht er die musikalische Tiefe, die scheinbar mühelose Komplexität, der Kompositionen von diesem Mozart.

Dieser Mozart ist halt ein großes Kind geblieben. Bastian Nold spielt wunderbar die haltlose Spontaneität des einstigen Wunderkinds. Auf jede Zurückweisung reagiert er mit trotzig herausgeschleuderten Beleidigungen. Seine Beziehung zu Constanze hat die Höhen und Tiefen einer Fieberkurve. Anna Hug verleiht der Constanze ein lebensechtes Profil. Sie hat es nicht leicht, ohne ein gesichertes Einkommen die Familie durchzubringen, aber die Liebe zwischen ihr und Mozart trägt.

Neben den spannend dargestellten psychologischen Auseinandersetzungen kommt in Lüdis Inszenierung der Humor nicht zu kurz. Sebastian Kreutz gibt den alt gewordenen Salieri amüsant als kauzigen Greis. Kaiser Joseph II, gespielt von Kurt Tüg, hat kurze Auftritte, die fast schon wie ein running gag wirken: „Spektakel müssen sein.“ Aber bitte nicht mit zu vielen Noten. Herrlich boshaft, mit der richtigen Dosis an Überzeichnung, geben Markus Wild-Schauber und Reinhard Danner Salieris Zuträger. Ausgesprochen kurzweilig entfalten die Darsteller Salieris inneren Kampf gegen die eigene Mittelmäßigkeit, seine Intrigen gegen Mozart und das Panorama einer Gesellschaft, die Unterhaltung sucht – aber doch bitte nichts Aufwühlendes oder Tiefschürfendes.