nach oben
13.07.2015

In der Stadtbibliothek präsentiert Tino Berlin seine geizige Reise durch Schwaben

Die Idee war ein Witz und bald Wirklichkeit: Ohne einen Cent machten sich die zwei badischen Autoren Tino Berlin und Matthias Kehle vor einem Jahr auf den Weg, um im Selbstversuch den Geiz der Württemberger zu testen. Drei Wochen zogen sie quer durch Schwaben, von Wangen über Sigmaringen, Stuttgart und Ulm bis nach Welzheim, dem „schwäbischen Sibirien“.

Von der abenteuerlichen und anstrengenden Tour, die die zwei Karlsruher in ihrem unterhaltsamen Reisebuch „Ohne Geld durch Schwaben – Zwei Badener testen die Württemberger“ schildern, erzählt Tino Berlin in der Pforzheimer Stadtbibliothek. Und räumt sogleich mit einem Vorurteil auf: „Geizig sind die Schwaben überhaupt nicht“, sagt er. Drei Kilo habe er in dieser Zeit zugenommen, ständig sei ihnen etwas zugesteckt worden.

Der Geiz ist Vorurteil

Der Rucksack war voll mit Äpfeln, Marmeladen und Weinflaschen. Schon in Wangen, ihrem ersten Halt, bekamen sie die ersten fünf Euro für einen Kaffee.

Und weil sie durch Zeitung und Fernsehen bald bekannt waren, wurden sie per Anhalter sogar nach Ulm chauffiert – von jemandem, der eigentlich nach Thüringen wollte. Trotz der guten Erfahrungen würde der Kinderbuchautor und Illustrator so eine Reise kein zweites Mal machen: „Die Leute immer wieder zu fragen, war das anstrengendste“, sagt Berlin. Auf der Suche nach echten Schwaben – die Wangener nannten sich eher „Allgäuer“, die Heilbronner „Franken“ und die Bad Wimpfener „Kurpfälzer“ – erlebten Berlin und Kehle immer wieder kleine Wunder und übernachteten an den kuriosesten Orten, etwa im Pulverturm, Kloster oder im Schaufenster eines Bettenkaufhauses. Nur einmal fanden sie keine Bleibe: „In Tübingen sind wir gescheitert“, so der 53-Jährige. Mal kamen sie mit einem alten Feuerwehrauto voran. Durch die Weinberger düsten sie mit einem „Trollinger Taxi“. Eines aber hatten sie immer dabei: die badische Flagge, die sie nicht nur im Stuttgarter Landtag hissten.

„Ich habe einen anderen Blick bekommen“, beendet der Schriftsteller seine Präsentation – auch in Bezug auf die Zuneigung der Menschen. Anita Molnar