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Die Insolvenz des Buchgroßhändlers KNV ist nach Darstellung der Kurt-Wolff-Stiftung eine große Gefahr für den Buchhandel. Foto: Fotolia
Die Insolvenz des Buchgroßhändlers KNV ist nach Darstellung der Kurt-Wolff-Stiftung eine große Gefahr für den Buchhandel. Foto: Fotolia
21.02.2019

Insolvenz des Großlieferanten KNV: Pforzheimer Buchhändler sehen viele Gefahren

Pforzheim. Es ist eine Hiobsbotschaft: Der Stuttgarter Buch- und Mediengroßhändler Koch, Neff & Volckmar (KNV) steckt in großen finanziellen Schwierigkeiten und hat wegen Überschuldung Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Verlagen und Buchhandlungen. KNV hat 590 000 Titel ständig auf Lager. Als einer von drei großen Zwischenhändlern garantiert er die Buchlieferung an 5600, vor allem kleine Filialen, davon 4200 in Deutschland.

Regelrecht geschockt hat die Insolvenznachricht Erika Föst. „Wir saßen beim Frühstück und sind alle ziemlich blass geworden“, sagt die Leiterin der Pforzheimer Thalia-Filiale. Das Unternehmen nutze neben dem Großhändler Libri und dem eigenen Zentrallager auch KNV. „Wir bestellen schon lange dort“, sagt Föst. Weil KNV nicht der Hauptlieferant ist und der Geschäftsbetrieb dort weiterläuft, gebe es bislang keine Engpässe. „Eine Insolvenz wäre aber eine Katastrophe für den Buchhandel, zumal die Wettbewerber die Kapazitäten nicht haben, um die Volumen aufzufangen.“ Andere Branchenkenner bestätigen das. Der Tenor: Die beiden größten Konkurrenten, Libri und Umbreit, könnten die enormen Liefermengen von KNV nicht ohne Weiteres kompensieren. Dazu fehle es an Lagerkapazitäten. Weil KNV mit Webshops auch als IT-Dienstleister für Buchhaltung und Warenwirtschaft fungiert, besitzt das Unternehmen zusätzliche „Systemrelevanz“. „Dieser Riese droht, sollte er weiter fallen, einen beträchtlichen Teil der Branche mit sich zu reißen“, erklärt die Kurt-Wolff-Stiftung, die die Verlags- und Literaturszene fördert, mit eindringlichem Appell an die Politik.

Auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hofft auf ein Fortführen der Geschäftstätigkeit des Familienunternehmens. Es hätte einen spürbaren Effekt auf die Lieferkette, wenn das Geschäft von KNV nicht weitergeführt würde, sagt Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis.

„Momentan kommen wir mit einem blauen Auge davon“, sagt der Dillweißensteiner Händler Uwe Mumm, ebenfalls Kunde von KNV. Beim einen oder anderen Buch wackle jedoch die Garantie, dass es über Nacht in den Laden kommt. Es könne also vorkommen, dass ein Titel kurzfristig nicht lieferbar ist. Tatsächlich haben einige Verlage die Belieferung von KNV aus Selbstschutz eingestellt, wie Medien berichten. Denn ein Großteil der dort lagernden Bücher dürfte noch nicht bezahlt worden sein.

Hilferuf von Insolvenzverwalter

Der Insolvenzverwalter Tobias Wahl, der die Unternehmensgruppe retten will und nach Investoren sucht, hat bei den Verlagen daher um Vertrauen geworben. Ohne ihre Hilfe werde es keine Zukunft für KNV geben. „Nur wenn die Lieferkette in beide Richtungen aufrechterhalten wird, ist die Betriebsfortführung gesichert“, so der Anwalt.

Wie bei Osiander in Pforzheim läuft bei der Christlichen Buchhandlung „noch alles wie immer“, sagt Evelyn Lauber. Sämtliche Säkularliteratur bestelle sie bei dem Großhändler. Sollte KNV den Betrieb einstellen, wäre das ein „Supergau“, sagt sie, und verweist darauf, dass dies dem großen Konkurrenten Amazon wohl noch mehr Kunden bescheren könnte. Angeblich hat der Online-Händler schon Interesse an einer Übernahme von KNV gezeigt – und würde dann auch im stationären Handel kräftig mitmischen.

Noch ist das Spekulation. Wie es langfristig weitergeht, bleibt also unklar. Die Pforzheimer Händler hoffen auf den Insolvenzverwalter. „Und dass jemand KNV übernimmt, der Sinn und Verstand hat“, sagt Lauber. Oliver Meißner von der gleichnamigen Buchhandlung hat derzeit zwar auch noch keine Probleme, spürt aber, dass „vieles in der Branche im Umbruch ist. Wenn dann auch noch die Buchpreisbindung fallen würde, hieße es wirklich: Gute Nacht.“