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Am Samstag zum letzten Mal: Mit der ausverkauften Vorstellung des Musicals „Chicago“ finden die Ettlinger Schlossfestspiele und die Intendanz von Udo Schürmer einen Abschluss. Foto: sfe
Am Samstag zum letzten Mal: Mit der ausverkauften Vorstellung des Musicals „Chicago“ finden die Ettlinger Schlossfestspiele und die Intendanz von Udo Schürmer einen Abschluss. Foto: sfe
Udo Schirmer wird demnächst in Stuttgart Regie führen. Foto: sfe
Udo Schirmer wird demnächst in Stuttgart Regie führen. Foto: sfe
10.08.2018

Intendant Schürmer verlässt Schlossfestspiele in Ettlingen

Ettlingen. Es ist ein Abschied nicht ohne Bitterkeit. Udo Schürmer (60), der zwölf Jahre lang als Intendant die Schlossfestspiele von Ettlingen geleitet hat, gibt dieses Amt ab. Eine angebotene Vertragsverlängerung unter den bestehenden Bedingungen hat er abgelehnt.

Die Stadt habe ihm diese Entscheidung leicht gemacht, gibt er zu erkennen, und er mochte deshalb auch keine offizielle Verabschiedung bekommen. Mit der erfolgreichen Inszenierung des Musicals „Chicago“ und einer anspruchsvollen Shakespeare-Produktion „Der Kaufmann von Venedig“ krönte er seine Amtszeit – mit den besten Auslastungszahlen. Am Ende siegt die Einsicht, es sei „genug“.

Dabei kann Schürmer insbesondere auf dem Gebiet der Musical-Pflege auf unbestreitbare Meriten verweisen. Er hat das Publikum auf der Freilichtbühne des Schlosshofs mit zahlreichen Stücken des Genres bekannt gemacht, die über das landläufige Theater-Repertoire hinausgingen und nun anderswo nachgespielt werden. Mit erfolgreichen Aufführungen etwa des ABBA-Politthrillers „Chess“ (2007), der Bohème-Rockversion „Rent“ (2011) und Lloyd Webbers „Sunset Boulevard“ hat er wichtige Beiträge zur Musical-Geschichte beigesteuert, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurden.

Mekka für Musical-Fans

Seine Findungslust und sein Mut zu ehrgeizigen künstlerischen Wagnissen hat ihm nicht nur die Anerkennung der Branche, sondern der Stadt Ettlingen auch den Ruf eines Mekkas für neugierige Musical-Freunde eingetragen. Das hätte dem Intendanten von den Haushältern der Stadt eigentlich mehr Unterstützung einbringen sollen. Stattdessen wurde er finanziell immer mehr eingeschnürt. Und als dann gar ein schöner Extra-Zuschuss des Landes von 35 000 Euro zum 40-jährigen Bestehen der Festspiele von den Ettlinger Stadtvätern kurzerhand in gleicher Höhe weggespart wurde, sah Schürmer das Ende seiner Leidensfähigkeit und einer verantwortlichen Theaterarbeit erreicht.

„Kunst kostet halt“ – diese banale Einsicht mochte in Ettlingen offenbar nicht verfangen. Das adrette Städtchen hat im Umgang mit seinen Intendanten von jeher wenig Kunstsinn bewiesen und mit dem Rotstift ihre künstlerische Arbeit konterkariert. Bei dem kargen, auf Kante genähten Etat hat Schürmer immerhin ein Programm von bemerkenswerter Vielfalt auf die Beine gestellt. Erkennbar mussten dabei vor allem die Schauspiel-Produktionen immer wieder unter der finanziellen Einschnürung leiden. Denn tatsächlich muss ein Theater auch bei dieser vermeintlich billigen Sparte ausreichend Geld in die Hand nehmen, um zu Ergebnissen auf Festspiel-Niveau zu kommen. „Der Kaufmann von Venedig“ mit seinen Auslastungszahlen, die weit über den Schauspiel-Produktionen der Vorjahre liegen, belegt die Aussage Schürmers, dass „wer größer produziert auch mehr Zuschauer hat“. Zu Schürmers Amtszeit ist überdies als wichtige Neuerung in Erinnerung an den Festspielgründer der „Kurt-Müller-Graf-Preis“ eingeführt worden, mit dem die Zuschauer den besten Darsteller der Saison auszeichnen.

Staunenswerte Talente

Das alles will organisiert und koordiniert sein, und Schürmer hat sich dabei als einfallsreicher Vielzweck-Intendant von staunenswerten Talenten erweisen – ob nun bei der leidigen Taschenkontrolle am Einlass oder bei Backstage-Einsätzen, als Regisseur, Krisenmanager oder Nothelfer. Das hat er, wie er rückblickend erklärt, sehr gerne gemacht, und über die Jahre ist aus diesem intensiven Miteinander ein enger Zusammenhalt auch mit dem Publikum erwachsen.

Udo Schürmer, Intendant mit Leib und Seele, geht dem Theater nicht verloren. Er wird demnächst in Aachen die „Rocky Horror Show“ inszenieren und dann auch in Stuttgart Regie führen. Ettlingen muss schauen, wie es mit seiner Nachfolgerin Solvejg Bauer zurechtkommt, die den Festspielen „frischen Wind“ bescheren will. Man darf gespannt sein.