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Unter finanziellem Druck: Thomas Münstermann, Intendant des Theaters Pforzheim. Foto: Seibel
Unter finanziellem Druck: Thomas Münstermann, Intendant des Theaters Pforzheim. Foto: Seibel
28.03.2017

Intendant Thomas Münstermann: „Mit weniger Leuten das Gleiche leisten“

Die von der Stadt auferlegten Sparmaßnahmen machen dem Theater Pforzheim zu schaffen. Zudem laufen zum Ende der Spielzeit zahlreiche Verträge aus. Die PZ fragt Intendant Thomas Münstermann nach dem Stand der Dinge.

PZ: Wie läuft es denn gerade am Stadttheater?

Thomas Münstermann: Gut, vor allem, was die Abonnentenentwicklung angeht. Da ist es uns gelungen, einen – wenn auch winzig kleinen – Zugewinn zu realisieren. Was wir als Trendumkehr wahrnehmen. Wir haben die Schwerpunkte in der Verkaufspolitik etwas anders gesetzt und sehr viel außerhalb der Stadt gespielt. Das hat dazu geführt, dass wir insgesamt mehr Menschen erreicht und mehr Geld eingenommen haben.

PZ: Wie sieht es in der jetzigen Spielzeit aus?

Thomas Münstermann: Bei der Gesamtbesucherzahl sind wir auf dem gleichen Level wie in der vergangenen Spielzeit. Das erscheint uns stabil. Die Operette läuft prima und das Musical auch. „Sugar“, obwohl kein sehr bekanntes Musical, hat sich bei unserem Publikum durchgesetzt. Die „Blues Brothers“ wollen wir in sorgfältiger Dosierung noch länger spielen. Und wir freuen uns, dass am 8. April „Shylock!“ mit Chris Murray Premiere hat. Auch im Musiktheater, Schauspiel und Ballett sind wir erfreulich stabil. Ob das nun plus oder minus ein paar Prozent sein wird, kann man noch nicht sagen. Wir sind ganz wohlgemut in dieser Spielzeit, haben aber überhaupt nicht das Gefühl, dass wir in irgendeiner Form nachlassen können.

PZ: Also ist kein Atemholen zwischendurch möglich?

Thomas Münstermann: Durch die schwieriger gewordenen Vorgaben auf der Finanzseite ist das Erreichen der gleichen Ziele für uns eine viel ehrgeizigere Aufgabe geworden. Wir müssen mit immer weniger Leuten das Gleiche leisten. Eigentlich müssen wir sogar erfolgreicher sein, denn wir müssen die Minderbezuschussung durch Mehreinnahmen auffangen. Das führt schon zu einer starken inneren Belastung.

PZ: Hat das Auswirkungen auf den Krankenstand?

Thomas Münstermann: Ich will nicht die Statistik zum Büttel machen und sagen, es geht uns angesichts gekürzter Zuschüsse so schlecht, jetzt werden schon die Leute krank. Wenn man es real betrachtet, arbeitet bei uns keiner mehr, als es der Tarif zulässt. Trotzdem schauen wir intern sehr genau auf solche Entwicklungen und versuchen, unsere Planung weiter zu verbessern.

PZ: Nachdem die Schauspieldirektoren Caroline Stolz und Alexander May das Haus verlassen, gibt es weitere Veränderungen in der kommenden Spielzeit?

Thomas Münstermann: Ja, aber es ist auch schön, wenn sich Mitarbeiter weiterentwickeln, nicht hier kleben bleiben. Unser Kapellmeister Mino Marani wechselt beispielsweise in gleicher Position nach Koblenz zu einem B-Orchester, das ist ein Karriereschritt. Die Ballettcompagnie bleibt wohl unverändert. Im Schauspielensemble ziehen aber fast alle Anfänger nach zwei Jahren weiter. Ganz sicher bleiben unter anderem Robert Besta und Katja Thiele sowie Markus Löchner, Jens Peter und Fredi Noël.

PZ: Wie sind es mit den weiteren Mitgliedern des Schauspiel-Ensembles aus?

Thomas Münstermann: Es ist gut, wenn junge Schauspieler weggehen. Zumal sie zwei Jahre lang mit einem Anfängergehalt von 1900 Euro auskommen mussten, und wir weiterhin darauf angewiesen sind, junge Leute für diese Summe zu engagieren. Außerdem hat sich Pforzheim für viele als Sprungbrett erwiesen. Da gibt es direkte Anschluss-Engagements an größere Häuser in Bonn, Leipzig und Hamburg.

PZ: Und wie sieht es im Musiktheater aus?

Thomas Münstermann: Ein paar von unseren sehr guten Verpflichtungen sind uns bereits in der ersten Spielzeit abhandengekommen, da ist uns quasi das Bettlaken unter dem Hintern weggezogen worden. Ivan Krutikov und Anna-Maria Kalesidis sind an große Bühnen weitergezogen. Da können wir nicht gegenhalten – nur stolz sein, dass wir solche Sänger gefunden haben. Für Nastasha Young ist bereits Elisandra Melián gekommen, die jetzt in „Candide“ debütiert hat. Neben ihr werden Franziska Tiedtke, Danielle Rohr, Aleksandar Stefanoski, Paul Jadach und Lilian Huynen bleiben. Da haben wir eine ganz normale Veränderung. Die meisten der jungen Sänger kommen nach Pforzheim für zwei Jahre – mit viel Enthusiasmus, und dann geht es auch wieder weiter.

PZ: Wie schwierig gestaltet sich eine Ensemblebildung, wenn manche Mitglieder das Haus nach so kurzer Zeit verlassen?

Thomas Münstermann: Das hat uns schon sehr getroffen, zumal es auch manchmal unseriöse Aktionen der Künstleragenten waren. Man kann einen Sänger beispielsweise nicht mit einem Engagement nach Bonn locken, wenn er hier gerade mal ein halbes Jahr gearbeitet hat. Es ist auch schade, weil wir manche Sängerinnen und Sänger geradezu ausgegraben haben. Natürlich muss man diese Trüffelschwein-Qualität weiterhin pflegen und Freude daran haben. Wenn man beispielsweise gesehen hat, wie wunderbar sich Johannes Strauss in diesen beiden Jahren entwickelt hat, dann macht mich das glücklich. Den kann ich in den Arm nehmen und sagen, zieh weiter, mach deine Karriere.

PZ: Wie sieht es mit Neuverpflichtungen aus?

Thomas Münstermann: Jetzt ist gerade die Zeit der Vorsingen. Da haben wir einige gute Leute im Blick, werden uns in den nächsten Wochen entscheiden. Und der neue Schauspielleiter kommt ja demnächst, dem wollen wir natürlich beim Engagement Spielraum lassen.