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Der Künstler Christo in einer Szene des Films „Christo – Walking on Water“, der gerade bundesweit gestartet und im Mai in Pforzheim zu sehen ist. Foto: Alamode
Der Künstler Christo in einer Szene des Films „Christo – Walking on Water“, der gerade bundesweit gestartet und im Mai in Pforzheim zu sehen ist. Foto: Alamode
17.04.2019

Interview mit Christo: „Unsere Projekte sind voller Drama“

PZ-Interview mit dem Künstler Christo über den neuen Film, neue Pläne und die Realität.

Gerade wurde bekannt, dass Christo (83) den Pariser Triumphbogen verhüllen will. Der Künstler hat auch den Reichstag verpackt und Menschen übers Wasser laufen lassen. Auf dem italienischen Iseosee installierte er Schwimmstege mit leuchtend gelbem Stoff, die „Floating Piers“. Nun kommt dazu der Dokumentarfilm „Christo – Walking on Water“ ins Kino. Er plaudert über seine Pläne und sein Atelier ohne Aufzug.

PZ: Christo, woran arbeiten Sie momentan?

Christo: Gerade arbeite ich in meinem Studio. Ich lebe seit 1964 im gleichen Gebäude in Downtown Manhattan. Über 50 Jahre also am gleichen Ort. Ganz oben, ohne Aufzug. Ich arbeite nicht an einer Sache, sondern an mehreren. Zum Beispiel am Projekt im Nahen Osten, aber es gibt auch viele andere Dinge.

Ihr Studio liegt im fünften Stock – ohne Aufzug?

Ja. Tatsächlich können Sie einen Teil meines Studios auch im Film über die „Floating Piers“ sehen. Dort wo ich Skizzen vorbereite für das Projekt am Iseosee. Die Anfangsszenen von „Walking on Water“, die spielen in meinem Studio.

Die Installation der Schwimmstege sah nach Stress aus. Wie nah dran waren Sie am Nervenzusammenbruch?

Das war sehr stressig (lacht). Aber es war auch stressig, den Reichstag zu verhüllen. Das wurde auch dreimal abgelehnt. Alle unsere Projekte sind voller Drama. Deswegen machen wir das ja. Deswegen machen wir nie zweimal das Gleiche. Alle Projekte machen das durch: Drama, Probleme, Aufregung. Das hält uns lebendig.

Manche Ihrer Werke brauchen Jahrzehnte in der Vorbereitung. Wie bleiben Sie so geduldig?

Wissen Sie, wir arbeiten an mehreren Projekten gleichzeitig. Wir arbeiten nie nur an einem, das wäre ja frustrierend. Die Idee zu den „Floating Piers“ ist aus den 1970ern. Wir haben versucht, das in Argentinien umzusetzen. Wir haben versucht, es in Japan umzusetzen. Schließlich haben wir es in Italien am Iseosee gemacht. Aber währenddessen haben wir auch an vielen anderen Projekten gearbeitet, etwa am Reichstag und am Pont Neuf.

Im Film erzählen Sie vor Schülern, wie sehr Sie echte Dinge mögen. Was meinen Sie damit?

Ich will keinen Film darüber, dass man drei Kilometer auf dem Wasser laufen kann. Kein Bild. Kein Foto. Kein Gemälde. Es geht um die echten Dinge. Das echte Weiß, die echte Trockenheit, den echten Wind, die echte Angst.

Gerade hat man das Gefühl, dass viele eher im Internet leben. Sehen Sie das auch so?

Das sind doch Scheinwelten. Dort fühlt man keine echte Angst. Das Drama, das man braucht, um Entscheidungen zu treffen. Man muss doch die Feuchtigkeit fühlen, die echte Hitze spüren, die Luft. Ich bin so begeistert von den echten Dingen.

Haben Sie ein Smartphone?

Nein. Ich mag es nicht mal, zu telefonieren. Ich spreche gerne mit echten Menschen. Ich weiß nichts über Computer, ich kann Computer nicht verstehen. Wir sind doch nur eine kurze Zeit auf der Welt. Und wenn man die Realität nicht genießt, dann ist das sinnlos.