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Pavlos Hatzopoulos freut sich auf sein Gesprächskonzert am 22. September in der Pforzheimer Stadtkirche. Foto: Meyer
Pavlos Hatzopoulos freut sich auf sein Gesprächskonzert am 22. September in der Pforzheimer Stadtkirche. Foto: Meyer
15.09.2017

Interview zum Konzert für „Menschen in Not“ mit Pianist und Rhetoriker Pavlos Hatzopoulos

Die Gesprächskonzerte von Pavlos Hatzopoulos sind gefragt. Dabei verbindet der deutsch-griechische Meisterpianist aus dem Raum Stuttgart virtuoses Spiel mit klarer Sprache, erklärt und spielt Werke auf unterhaltsame Weise. Zudem ist der „Sohn des Pilgers“ – so die Bedeutung seines Namens – Leiter der Griechischen Evangelischen Gemeinde Stuttgart. Für die PZ-Aktion „Menschen in Not“ wird der 53-Jährige ein Benefizkonzert zum Lutherjahr geben. Das Thema: „Aus Liebe zur Wahrheit“. Im PZ-Interview erzählt er, was ihm die Werkerläuterungen bedeuten.

PZ: Herr Hatzopoulos, reden oder spielen Sie lieber?

Pavlos Hatzopoulos: Ich kann das nicht mehr auseinanderhalten, ich tue beides gern.

PZ: Wie bereiten Sie sich auf Ihre Gesprächskonzerte vor?

Pavlos Hatzopoulos: Ich verbringe viel Zeit damit, Werke neu zu erlernen und bestehende zu verfeinern. Dann kommt die Vorbereitung des Sprechens, um dem Publikum das Gefühl zu geben, wie bei sich zuhause zu sein und nicht in einem Vortrag. Man braucht ein Vokabular, das verständlich ist. Es geht mir darum, das Herz der Menschen zu öffnen.

PZ: Sie geben Einblicke in die Seele eines Musikstücks und Komponisten. Wie meinen Sie das?

Pavlos Hatzopoulos: Vermutlich hängt das damit zusammen, dass ich von Grund auf ein sensibler Mensch bin. Klick machte es, als ich Mitte 20 war und mich mit den Préludes von Debussy beschäftigte. Da gab es Geschichten dazu, die mich faszinierten. Ich hatte das Bedürfnis, das zu erzählen. Daraus erwuchs die Neugier, zu wissen, was hinter den Stücken steckt, wo es keine Geschichten gibt. Warum spricht die Musik, warum ist sie noch aktuell? Dieses Universum der Sprache wollte ich ergründen.

PZ: Wie haben Sie das geschafft?

Pavlos Hatzopoulos: Ich begann, mich mit Musikpsychologie, Symbolik und alten Lehren zu beschäftigen. Ich habe auch lange mit Musikwissenschaftlern zusammengearbeitet, damit ich dem Spekulativen aus dem Weg gehe. Jeder Zeitgeist hat seinen eigenen Kontext. Weil die Zahl drei im Barock eine Referenz auf Gott war, gilt dies noch lange nicht bei Beethoven. Wir sind längst in einer Zeit, in der es um Selbsterlösung geht. Der Gottesgedanke ist noch da, aber anders interpretiert.

PZ: Im Konzert geben Sie Tonbeispiele und spielen zum Schluss das gesamte Werk. Können Sie da noch viel erzählen?

Pavlos Hatzopoulos: Da kommt mir das Predigen zugute. Die Leute können sich eine Predigt gar nicht merken, es sei denn, es gibt markante Punkte. In Beethovens „Appassionata“ beispielsweise geht es ganz klar um Abgründe. Ich möchte auch diese Botschaft der Komponisten weitergeben. Die gesamte klassische Musik beschäftigte sich mit dem Thema Erlösung, deshalb haben wir Kadenzen.

PZ: Sie haben einmal gesagt, dass die Zuhörer glauben werden, Bach zu hören. Aber eigentlich hören Sie Pavlos.

Pavlos Hatzopoulos: Ja, das stimmt (lacht). Kein Mensch weiß, wie Bach selbst gespielt hat. Wir wissen es frühestens bei Musikern wie Rachmaninoff, von dem es Aufnahmen gibt. Wenn ich ein Werk erarbeitet habe, geht es darum, dass ich es zu meinem Stück mache. Wenn ich es nicht verinnerliche, ist es steril, verkrampft, und es erreicht die Menschen nicht.

PZ: Warum ist es Ihnen so wichtig, die Bedeutung zu vermitteln?

Pavlos Hatzopoulos: Weil die Werke über Menschen sprechen und über Gott. Ich spreche im Konzert über Gott und die Welt.

PZ: Was steht auf dem Programm?

Pavlos Hatzopoulos: Ich bin mir noch nicht ganz sicher. Das Thema ist „Aus Liebe zur Wahrheit“. Von Bach wird es wohl eine Toccata werden, von Beethoven die „Sturmsonate“ oder „Pathétique“. Im zweiten Teil werde ich von Schubert die drei Klavierstücke D 946 spielen.

PZ: Nichts von Luther?

Pavlos Hatzopoulos: Für mich ist Bach der verlängerte musikalische Arm Luthers. Ich werde etwas zu Luthers Überzeugung sagen, die Bach als Lutheraner umgesetzt hat. Ich liebe Bach, aber die Wiedergabe ist problematisch, weil er ja noch nicht auf einem modernen Flügel spielte.

PZ: Was ist in Pforzheim anders?

Pavlos Hatzopoulos: Das ist ein Konzert in einem großen Kirchenraum. Das Publikum ist weiter weg. Da den Kontakt herzustellen, ist für mich eine Herausforderung.

PZ: Sie wollten früher Profifußballer werden. War die Musik die richtige Entscheidung?

Pavlos Hatzopoulos: In jedem Fall. Seit ich mich erinnern kann, ist Musik in mir. Meine Mutter erzählte, dass ich mit elf Monaten ganze Lieder gesungen habe und sie die Oberstimme dazu. Mein Niveau als Fußballer war auch recht gut. Aber die Liebe zur Musik war stärker.

INFO: Das Benefizkonzert des Lions Club Heimsheim Graf Eberhard Förderverein zugunsten der PZ-Aktion „Menschen in Not“ findet am Freitag, 22. September, um 20 Uhr in der Stadtkirche Pforzheim statt. Karten gibt es im Kartenbüro der Schmuckwelten Pforzheim, bei der Sparkasse Pforzheim Calw Heimsheim und an der Abendkasse.