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Herausgeber Robert Eikmeyer gibt Einblicke in den „Luxus?!“-Band. Foto: Ketterl
Herausgeber Robert Eikmeyer gibt Einblicke in den „Luxus?!“-Band. Foto: Ketterl
07.12.2018

Ist Demokratie Luxus? Interessanten Band des Hochschulthemas bei Thalia vorgestellt

Pforzheim. Nach kurzer Zeit schon ist sie ein Standardwerk: die Publikation „Luxus!?“, die anlässlich der umfangreichen Beschäftigung der Hochschule mit dem Thema veröffentlicht wurde und die nun die Herausgeber Robert Eikmeyer und Dekan Michael Throm in der Thalia-Buchhandlung vorstellten.

Dabei geht es jedoch weniger um die expliziten Inhalte des Bands, als um die eigene Positionierung zum Thema Luxus und die der zahlreichen Studenten an diesem Abend. Bei ihnen beobachtet Throm ganz klar die Verschiebung von „mehr ist mehr“ zu „weniger ist mehr“. Nicht mehr das „Bling Bling“, die noch protzigere Uhr, den noch größeren Brillanten, die noch teureren Markenklamotten, sondern immaterielle Werte zählten. Eikmeyer macht dies unter anderem an dem im Buch veröffentlichten Vortrag von Montblanc-Kreativdirektor Zaim Kamal fest, der sich – visualisiert an sogenannten Moodboards – Gedanke über die zukünftige Käuferschicht für die Nobelmarke macht. Die Millennials, also alle um 2000 herum geborenen, würden im Jahr 2025 45 Prozent der Kunden im Luxussektor ausmachen. „Und die konsumieren nicht des Status wegen, sondern ihnen geht es um Nachhaltigkeit, um die Herkunft der Waren, um handwerkliche Qualität“, fast Eikmeyer die Erkenntnisse Kamals zusammen. Da dürfe ein Paar Sportschuhe dann schon mal 2000 Dollar kosten – „allerdings erkennen das nur die Eingeweihten“.

Diesen Übergangssprozess sieht der Dekan auch auf Pforzheim zukommen – insbesondere im Luxusschmuck-Segment. Und er sieht die Stadt als „Rohdiamanten“, was zahlreiche Besucher immer wieder bestätigen würden. Nur wie diesen Diamanten zum Strahlen bringen? Unter anderem durch Bewahren. „In Pforzheim ist man oft der Überzeugung, wenn man Altes abreißt und Neues baut, wird alles besser“, sagt eine Studentin, sie vermisst die Wertschätzung des Vorhandenen.

Doch dazu – sind sich alle an diesem Abend einig – bedürfe es einer Kultur des Engagierens, aber auch des Ermöglichens. So brennt vielen Design-Studenten die Suche nach Atelier- und Arbeitsräumen unter den Nägeln. „Warum tut die Stadt da nicht mehr, warum lassen sich leer stehende Räume nicht für Projekte nutzen?“, sind die Fragen. Vieles hat die Initiative Leerstand als Freiraum (LAF) bewegt, aber sie stößt auch – nicht nur bei Immobilieneigentümern – an ihre Grenzen. Zumal die auch für Ateliers genutzten Gebäude an der Östlichen der neuen Innenstadt Ost weichen werden. Gefragt worden seien sie da nicht, genauso wenig wie die Bevölkerung, stellen die Studenten klar. „Ist Demokratie letztlich Luxus?“, gibt Throm zu Bedenken.

Für 35 Euro kann der in der Edition Cantz erschienene Band im Buchhandel erworben werden.