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Der türkische Journalist (Mitte) und seine Gefolgschaft, die das Abhängen der Karikatur erzwingen. Rechts Galerist Michael Oess. Foto: Kerner
23.02.2018

Ist das Kunst oder muss das weg? Erdogan-Karikatur sorgt auf der Art Karlsruhe für Ärger

Karlsruhe. Eine despektierliche Erdogan-Karikatur hat auf der Kunstmesse Art Karlsruhe für Wirbel gesorgt. Wie die Messe am Freitag bestätigte, hängte der Galerist der Karlsruher Neue Kunst Gallery das Bild „Türkischer Diktator“ von Thomas Baumgärtel nach lautstarken Protesten an seinem Stand am Vortag ab. Der Künstler trennte sich daraufhin von seinem Karlsruher Galeristen.

Das Bild zeigt den gebückten türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mit nacktem Gesäß, in dem eine Banane steckt. Es ist Teil der „Despotenserie – Trump, Kim und Erdogan“. Baumgärtel ist empört darüber, dass er erst über ein türkisches Twitter-Account erfahren habe, dass sein Galerist Michael Oess das Bild abgehängt hat. „Er hat das Werk selbst für die Art Karlsruhe ausgewählt“, sagte Baumgärtel im Gespräch mit der PZ. „Ihm war klar, dass es heikel werden könnte.“ Zumal, so Baumgärtel, „er wusste, dass ich vor zwei Jahren wegen einem der Erdogan-Bilder unter Staatsschutz stand.“ Für den Künstler ist es völlig unverständlich, dass sein Galerist keinen Kontakt zu ihm aufgenommen habe. „Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass alle den Schwanz einziehen und uns die Populisten so die Kunst- und Meinungsfreiheit kaputt machen“, sagte er. Höchst verärgert ist der Kölner Künstler auch über die Haltung der Kunstmesse-Verantwortlichen: „Sie beziehen keine klare Position und stehen nicht hinter dem Künstler, wenn es kontrovers wird.“ Eine Sprecherin der Messe betonte am Freitag: „Wir können keinem Galeristen vorschreiben, was er hängt. Es herrscht Freiheit der Kunst.“ Der gestrige Besuch des türkischen Generalkonsuls auf der Kunstmesse habe damit nichts zu tun gehabt. „Es war ein normaler Antrittsbesuch.“

Wie das „Badische Tagblatt“ (BT) am Freitag berichtete, hatte das Bild des als „Bananensprayer“ bekannten Künstlers einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Zumal wohl der türkische Generalkonsul bereits im Vorfeld Protest gegen die Karikatur eingelegt hatte. Die Messeleitung habe, so das BT, die Polizei informiert. Der Revierleiter des für den Messeort Rheinstetten zuständigen Polizeipostens Ettlingen habe die das Werk angeschaut, und es sei entscheiden worden, das Bild am Messestand zu belassen.

Nach Angaben des Galeristen Michael Oess ist das Bild inzwischen für 5900 Euro verkauft. Mit der Aufregung um das Werk habe der Verkauf nichts zu tun gehabt. Oess sagte, ein türkischer Journalist habe sich am Donnerstagnachmittag wegen des Bildes beschwert. Der Mann filmte demnach mit seinem Handy und berichtete per Livestream. Zwei Frauen hätten von „Schändung“ der türkischen Fahne gesprochen, die im Hintergrund des umstrittenen Werkes angedeutet ist. „Es gab einen Auflauf am Stand. Das war richtig inszeniert“, ist Oess überzeugt. Und: „Das waren Agenten.“ Zur Sicherheit habe er das Bild dann abgehängt. „Damit es keinen Ärger gibt – ich habe auch eine gewisse Verantwortung gegenüber den Besuchern.“

Die türkische Zeitung „Daily Sabah“ hatte am Donnerstag von dem „sogenannten „Kunstwerk““ berichtet, das „für viele Türken eher als rassistisch-vulgärer Angriff auf den türkischen Präsidenten erscheint“.