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Im Januar 2018 erhalten Gerhard Baral (rechts) und Alexander Weber noch viel Beifall für die Präsentation ihrer Ornamenta-Konzeption. Foto: Meyer
Im Januar 2018 erhalten Gerhard Baral (rechts) und Alexander Weber noch viel Beifall für die Präsentation ihrer Ornamenta-Konzeption. Foto: Meyer
07.12.2018

Jahrzehnte des Scheiterns: Gemeinderat verschiebt Entscheidung zu Ornamenta erneut

Pforzheim. „Es gibt Länder, in denen die ganze Kultur ein Trauerspiel ist“, hat der Wiener Publizist und Aphoristiker Fritz P. Rinnhofer einmal gesagt. Und er würde es sicher auch als Trauerspiel bezeichnen, wie die Stadt Pforzheim seit fast 30 Jahren versucht, eine zweite Ornamenta-Gesamtschau auf den Weg zu bringen. Wieder einmal stehen die Chancen schlecht.

Wie ist der Stand der Dinge?

Am Donnerstag stellt Axel Baumbusch (Grüne Liste) im Finanzausschuss den Antrag, für die Ornamenta II zum ursprünglichen Planungsansatz zurückzukehren und 1,9 Millionen Euro bis 2022 in den Haushalt einzustellen. Denn die von Oberbürgermeister Peter Boch vorgesehenen 500.000 Euro reichen nach seiner Ansicht „nicht einmal für ein Ornamentäle“. Doch es kommt anders als gedacht: Der Ausschuss streicht alle Sachmittel, um sie an anderer Stelle in den Kulturhaushalt fließen zu lassen. Florentin Goldmann (CDU) fordert ein klares Ornament-Konzept für den nächsten Doppelhaushalt 2021/2022.

Wie geht es mit dem Ornamenta-Förderverein weiter?

Das ist noch völlig offen. Vereinsvorsitzender Stefan Förster will im Januar eine Sitzung einberufen, um über die Zukunft zu entscheiden. Gerhard Baral, Gesamtkoordinator „250 Jahre Goldstadt“ und der geplanten Ornamenta, der in wenigen Tagen aus dem Amt scheidet, spricht sich für den Erhalt des Vereins aus.

Was passiert eigentlich mit den Sponsorengeldern?

2,2 Millionen Euro hat Pforzheim 2017 in das Jubiläumsfestival „250 Jahre Goldstadt“ fließen lassen – dazu kamen 2,5 Millionen Euro von Sponsoren. Rund 300.000 Euro, so berichtete Baral bei der Kulturausschusssitzung am 26. November, seien nun übrig, außerdem weitere 137.000 Euro aus einer Steuererstattung. Er vertrat die Auffassung, dass diese Gelder nicht in den Gesamthaushalt fließen sollten, sondern in den Kulturetat. Dafür sprach sich auch vehement SPD-Stadträtin Dorothea Luppold aus: „Das wäre sonst eine Missachtung der Sponsoren, die mit ihrer Förderung sicher nicht den städtischen Haushalt sanieren wollten.“ Wie sich nun bei den Haushaltsberatungen herausstellte, sind die Überschüsse bereits in den Rechnungsabschluss 2017 der Stadt geflossen. „Bedauerlicherweise“, sagt die SPD-Stadträtin. Rund 100.000 Euro zuviel bezahlte Umsatzsteuer stehen noch. Deshalb will Luppold im kommenden Jahr im Kulturausschuss darüber beraten und „ein Auge darauf haben, dass zumindest diese Summe in den Kulturetat fließt.“

Was sagt Kulturbürgermeisterin Sibylle Schüssler dazu?

Sie will sich nach den Haushaltberatungen erst einmal gedanklich konsolidieren und innehalten, um dann im neuen Jahr gemeinsam mit dem Oberbürgermeister zu besprechen, „ob wir eine Ornamenta machen, wann und in welcher Form.“ Neue Konzepte und Finanzpläne müssten erstellt werden. Die gebe es zwar bereits, „aber sie haben wohl bei den Gemeinderäten nicht verfangen und werden nicht von einer Mehrheit getragen“, konstatiert sie. Wichtig sind ihr auch die Gespräche mit Sponsoren. In deren Verträgen ist ja die Nachhaltigkeit des finanziellen Engagements in Hinblick auf die Ornamenta II festgehalten. Im nächsten Halbjahr will man die konzeptionelle Entwicklung angehen, nachbessern und auch von Verwaltungsseite her mehr erläutern, aber „letztlich entscheidet der Gemeinderat.

Wo werden die Kollegen von Gerhard Baral eingesetzt?

Alexander Weber, stellvertretender Gesamtkoordinator „Goldstadt 250“ und Monika Heinzmann vom Sekretariat werden ins Kulturamt integriert. Kulturentwicklungsplanung und die Bespielung öffentlicher Räume, so Sibylle Schüssler, seien dann unter anderem mögliche Tätigkeitsfelder, in denen sie bereits stark involviert seien.