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Graf Paris (Salvatore Nicolosi, links) und Julia (Risa Yamamoto) tanzen in der Choreografie von James Sutherland am Pfalztheater Kaiserslautern.  Piecuch
Graf Paris (Salvatore Nicolosi, links) und Julia (Risa Yamamoto) tanzen in der Choreografie von James Sutherland am Pfalztheater Kaiserslautern. Piecuch
23.02.2016

James Sutherland Ballett „Romeo und Julia“ am Pfalztheater Kaiserslautern

Die großen Liebesdramen haben Konjunktur an den Theatern im Südwesten. Wagners „Tristan und Isolde“ wird in Kürze in Baden-Baden, Karlsruhe und Kaiserslautern gespielt. Und im Shakespeare-Jahr bringt Karlsruhe auch noch Bellinis Oper zum Romeo-und-Julia-Stoff. Kaiserslautern hat jetzt das Ballett zum weltberühmten Liebesdrama mit der Musik von Prokofjew herausgebracht. Gastchoreograf am Pfalztheater ist James Sutherland, bis 2015 13 Jahre lang Ballettdirektor am Theater Pforzheim.

Dem schottischen „Choreografer in Residence“ ist mit der kleinen Compagnie am Pfalztheater eine Ganzleistung gelungen, die nicht nur bei der Premiere frenetisch bejubelt wurde.

Hochdramatische Tanzversion

Mit Recht, denn Sutherland zeigt eine hochdramatische Tanzversion des Stoffes von nicht selten physischer Eindringlichkeit. Mit 14 Tänzerinnen und Tänzern gelingt es dem Choreographen, die Bewegungssprache hier nicht als kunstvolles Mittel zur Stilisierung der Geschichte wirken zu lassen, sondern als Medium größter Eindringlichkeit, das packender erscheint als Sprache oder Gesang.

Klar, schon Prokofjews sagenhafte Partitur tut das ihre, dem Liebesdrama eine ergreifende Präsenz zu vermitteln, doch in dieser Aufführung wird das Feuer der Töne zum kongenialen Pendant der tänzerischen Gesten.

James Sutherland bringt die universelle Geschichte um Liebe und Hass auf ihren Kern. Die reduzierte, jedoch keineswegs unverbindliche Ausstattung von Verena Hemmerlein vermeidet jede zeitliche Konkretion, es gibt kein historisches Kostüm, aber auch eine platte Aktualisierung. Mit ganz konzentrierten Mitteln werden doch Szenen wesentlich erfasst. Für den sakralen Raum bei dem hier der asiatischen Sphäre entstammenden Pater Lorenzo genügt eine einzige Lichtsäule.

Die optische Reduktion gibt der Inszenierung im mehrfachen Sinn Weite und korrespondiert gut mit der Ballettsprache von Sutherland, die ja stilistisch ebenfalls ausgesprochen weiträumig ist. Der Tanzstil Sutherlands ist natürlich geprägt vom modernen Ausdruckstanz, aber immer individuell und nicht standardisiert.

Der Choreograf findet in ausladenden Bewegungen eine gelungene Mischung von Ausdruck und Energie, von Pathos und sportivem Elan. Sehr eindrucksvoll sind die Kampfszenen, die ein atemberaubendes Tempo haben. Die Disposition der Zeit ist überhaupt ein großer Pluspunkt der Einstudierung. So wird die Aktion in den dramatischen Szenen spürbar verdichtet, um an anderen, sozusagen lyrischen Stellen Ruhepunkten Platz zu machen.

Die Traumsequenz nach Mercutios Ermordung gehört zu den stärksten Momenten des Abends. Und natürlich ist das tragische Finale ein Tanzerlebnis von seltener Intensität, das einer der bekanntesten Szenen des Theaters eine sagenhafte Echtheit und Gegenwärtigkeit gibt. Das auch mit Gästen besetzte Ballettensemble am Pfalztheater zeigt sich bestechender Form und technisch auf hohem Niveau. Als Liebespaar glänzen Ermanno Sbezzo und die anmutige Risa Yamamoto durch innige Leidenschaft und berührende Aura. Kei Tanaka ist ein leichtfüßiger Mercutio. Ganz grandios und voll elektrisierender Spannung tanzt quasi als Hosenrolle Camilla Marcati den Benvolio. Goh Shibata greift als Pater Lorenzo chinesische Bewegungsformen auf.

Kraftvolles Spiel

Rodrigo Tomillo sorgt am Pult des Orchesters des Pfalztheaters für eine überaus plastische und rhythmisch kraftvolle Wiedergabe der Musik von Prokofjew.