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Leuchthaube auf dem Haupt: Jason Luís „Jay Kay“ Cheetham. Foto: dpa/Reiner Pfisterer
Leuchthaube auf dem Haupt: Jason Luís „Jay Kay“ Cheetham. Foto: dpa/Reiner Pfisterer
20.07.2018

Jamiroquai spielen ein ausverkauftes Konzert bei den Jazzopen auf dem Stuttgarter Schlossplatz

Stuttgart. Knackige Basslinie, funkige Gitarre – sobald Jay Kay die Bühne betritt und die erste Nummer „Shake It On“ intoniert, brandet Jubel auf und der Stuttgarter Schlossplatz wird zur Tanzfläche.

Der britische Ex-Kleinkriminelle, Hutfetischist und Autoliebhaber gibt sein einziges Open-Air-Konzert in Deutschland in diesem Jahr mit seiner Band Jamiroquai bei den Jazzopen. Dort startete er den Reigen der Popkonzerte zum 25-jährigen Bestehen des Festivals, das gerade wegen dieser massentauglichen Öffnung nicht unumstritten ist. Doch das Publikum schätzt es. Mit rund 7000 Zuschauern ist die Show ausverkauft, die noch bevorstehenden Hauptbühnenkonzerte sind es ebenso.

Mit Vollbart, weißer adidas-Trainingsjacke und Kapitänshandschuhen wirbelt Jay Kay über die Bühne. Nicht mehr so doll wie beim Durchbruch Mitte der 1990er-Jahre, aber ein paar zuckende Breakdance-Bewegungen hat er ganz gut drauf. Sein Haupt ziert kein Bärenfell, sondern eine bunt leuchtende Haube in Stachelschwein-Optik. Mit sattem Groove geht’s in die zweite Nummer „Little L“. Der 48-Jährige versprüht gute Laune. Er singt – wie passend – vom Tanzen, virtuellem Wahnsinn und ganz oft vom Sonnenschein. Nachdem er Ende 2017 in München ein Konzert wegen Stimmproblemen abbrechen musste, ist er in Stuttgart voll da. Die Tonlage erinnert an Stevie Wonder, klingt jedoch etwas metallischer.

Feuerwerk entzündet

Bei „Use The Force“ glänzen die Schlagwerke mit lateinamerikanischen Rhythmen. „Alright“ zündet dann das Funk-Feuerwerk. In zwei Jahrzehnten haben sich so viele Hits angesammelt, dass Jamiroquai Stücke des aktuellen Albums „Automaton“ einweben können, ohne dass die Stimmung darunter leidet. Auch das zurückgenommene „Smile“ funktioniert prächtig. Sympathisch, wenn Kay kurz über den Text grübeln muss. Oder zumindest so tut, zur allgemeinen Erheiterung. Der Frontmann ist nun schweißgebadet, denkt aber nicht dran, seine Trainingsjacke auszuziehen.

Jamiroquai entstand Ende der 1980er-Jahre in der Acid-Jazz-Szene Londons – angeblich, weil ihn die Brand New Heavies als Sänger ablehnten. Der Bandname setzt sich zusammen aus „Jam“ für die Musikrichtung und „Iroquois“ für den Stamm der Irokesen, mit deren Philosophie sich der Bandleader identifiziert. Auch dank genialer Remixe von DJ-Größen wie David Morales eroberten die Hits später die Tanzflächen des Untergrunds – von England über Europa in die USA. Acht Alben und diverse Auszeichnungen folgten.

Die elfköpfige Band liefert ab: knackigen Disco-Funk – insgesamt kaum komplex und wenig variantenreich, geht aber umso mehr ins Bein. Gitarrist Rob Harris spielt lässige Funk-Licks, im Hintergrund sorgen zwei Sängerinnen für Volumen. Die Musiker dehnen die Titel gerne mal auf Zehn-Minuten-Versionen mit ausgiebigen Instrumentalpassagen, insgesamt 15 passen in den gut zweistündigen Abend.

Fehlt nur noch die Discokugel

Während im rotzigeren, an Roy Ayers angelehnten „Light Years“ und beim bisweilen gescatteten „Space Cowboy“ Spurenelemente des Jazz aufblitzen, legt der präzise arbeitende Bassist Paul Turner bei „All Good In The Hood“ einen Groove vor, der Queens „Another One Bites The Dust“ alle Ehre macht. Fehlt eigentlich nur noch eine Bläsersektion – und eine Discokugel auf der sonst nur von bunten Lichtern illuminierten Bühne.

Bei der Uptempo-Nummer „Runaway“ erreicht der Abend den magischen Punkt. Selbst auf der eigentlich bestuhlten Tribüne wird ausgelassen getanzt, vorne pulsiert die Menge. Mit „Cosmic Girl“, „Canned Heat“ und „Love Foolosophy“ nähert sich die Party dem Ende, mit „Virtual Insanity“ entlassen Jamiroquai das hochzufriedene Publikum in die Nacht.