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Temperamentsbündel Kaoly Asano (Mitte) gibt bei Gocoo die Schlagzahl vor. Foto: Recklies
Temperamentsbündel Kaoly Asano (Mitte) gibt bei Gocoo die Schlagzahl vor. Foto: Recklies
03.08.2015

Japanische Taiko-Gruppe Gocoo setzt Energien frei

Calw-Hirsau. Es ist ein Abend der außergewöhnlichen Momente, den die Besucher des Gocoo-Konzerts am Samstag im Kreuzgang des Klosters Hirsau erleben. Wo einst wohl die Gesänge der Benediktinermönche zu hören waren, erschallen die treibenden Klänge der unkonventionellen japanischen Taiko-Formation um Lead-Drummerin Kaoly Asano. Dabei gelingt es den Trommlern, das Publikum mit ihrer archaisch anmutenden Musik in den Bann zu ziehen. Am Ende gibt es zu Recht stehende Ovationen.

Die 1997 gegründete Taiko-Band um Kaoly Asano ist mit ihrer Musik – gespielt mit knapp 40 traditionellen japanischen Taiko-Trommeln sowie einer ganzen Reihe anderer perkussiver Instrumente – längst zu einem international anerkannten Botschafter japanischer Kultur geworden. Obwohl die von Gocoo dargebotenen Stücke nur bedingt der berühmten Taiko-Tradition verbunden sind. Unter Asanos Führung gelingt es den sieben Trommelrinnen und ihren sechs männlichen Kollegen, das Publikum nicht nur akustisch zu begeistern. Denn es ist vor allem die mitreißend choreografierte und oft mit synchronen Abläufen dargebotene Trommelshow, die den Abend zu einem Erlebnis macht, das lange in Erinnerung bleibt.

Im Zentrum der Trommelshow steht freilich die zierliche, weiß gekleidete Kaoly Asano. Sie gibt nicht nur den Takt an, sondern ist mit ihrem ekstatischen Spiel auch eine Augenweide. Denn nicht nur die Drumsticks wirbeln durch die Lüfte. Auch ihre mit weißen Strähnen versehene schwarze Haarpracht fliegt bei jedem mit vollem Körpereinsatz ausgeführten Trommelschlag durch die Lüfte und lässt die Energie sichtbar werden, die sich in markanten Tönen entlädt: mal in mitreißendem Staccato, mal in eher ruhigeren Klangfolgen.

Das virtuose Miteinander von mitreißender Dynamik und gepflegter Monotonie sowie der faszinierende Gegensatz von Momenten der Stille und ohrenbetäubenden Schlagfolgen betören. So lauscht das Publikum bei jedem der Stücke erst gebannt den durch den Kreuzgang schallenden Trommelklängen, um dann der Begeisterung mit bisweilen frenetischem Beifall freien Lauf zu lassen: Die von den Musikern der japanischen Trommelformation freigesetzte Energie findet ihren Gegenpart.

Die Trommelvirtuosen, die ihren Instrumenten mit großer Leidenschaft ein nuancenreiches Klangspektrum entlocken, schaffen es mit Leichtigkeit, Einflüsse verschiedenster Kulturen aus Ost und West sowie verschiedener Epochen zu vereinen. Kein Wunder also, dass die Musik von Gocoo gleichermaßen von Weltmusikliebhabern wie auch von Techno- und Trancefans geschätzt wird. Die Klänge gehen unter die Haut, rufen in ihrer Harmonie nicht selten eine Gänsehaut hervor und berühren – nachhaltig.