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Jay Alexander singt in Begleitung von Adrian Werum, Klaus Jäckle, Andreas Geyer und Anna Lenda (von links) im Rahmen seiner Kirchenkonzert-Tournee in Ersingen.
Jay Alexander singt in Begleitung von Adrian Werum, Klaus Jäckle, Andreas Geyer und Anna Lenda (von links) im Rahmen seiner Kirchenkonzert-Tournee in Ersingen.
01.11.2015

Jay Alexander berührt mit „Geh aus, mein Herz“in Ersingen

Die Menschen in der Heimat scheinen auf diesen Moment gewartet zu haben, wollen Jay Alexander und seine neu interpretierten Kirchenlieder endlich, manche vielleicht auch ein zweites Mal live hören. Nach dem Auftaktkonzert im Februar in der Brötzinger Christuskirche war der Tenor mit seinem Erfolgsprogramm „Geh aus, mein Herz“ auf Tournee, eroberte mit seiner gleichnamigen CD den ersten Platz der deutschen Klassik-Charts.

Und füllte nun die katholische Christ-König-Kirche in Ersingen.

Mehr als 600 Konzertgäste sind gekommen, sitzen in erwartungsvoller Ruhe in den Bänken der stimmungsvoll mit Kerzen beleuchteten Kirche. Bevor Jay Alexander den weiträumigen Altarraum betritt, spricht Pfarrer Thomas Kuhn noch einige Begrüßungsworte, wünscht einen „herzerfreuenden Abend“. Es folgt Johann Pachelbels Kanon, dargeboten von vier Musikern, die der Tenor nicht erst am Konzertende vorstellt: Adrian Werum (Harmonium und E-Piano), Klaus Jäckle (Gitarre), Andreas Geyer (Flöte und Klarinette) und Anna Lenda (Violoncello). In reizvoll feinfühliger Abstimmung, teils expressiv rhythmisch, dann wieder detailliert und schlicht, agiert dieses kleine Begleitensemble im Laufe des Abends, an dem Alexander auch viel über die Lieder und Dichter erzählt. Über das Reformationslied „Ein feste Burg ist unser Gott“ zum Beispiel, das Martin Luther 1529 geschrieben hat und das in der Ersinger Kirche stark akzentuiert und kämpferisch daherkommt. Zupackend heiter erklingen viele Lieder zu Beginn, „Nun danket alle Gott“ zum Beispiel, auch das Titellied „Geh aus, mein Herz“, bei dem der Flötist die besungene Lerche und Nachtigall wunderbar nachahmt.

Mit viel Wärme und Gefühl

Sein hell strahlendes Timbre setzt der Tenor bei dem vorwärtssprudelndem „Tut mir auf die schöne Pforte“ ein. Und dennoch sind es vor allem die getragenen, schlicht belassenen Werke aus Alexanders „Hitparade des Gesangbuchs“, mit denen der Sänger für Gänsehautmomente sorgt. Mit viel Wärme, Gefühl und dem Anmut eines Wiegenliedes bringt er die Melodie von „Ich bete an die Macht der Liebe“ zum Ausdruck, mit samtweicher Stimme auch Franz Schuberts „Heilig, heilig, heilig“. Eindrucksvoll zudem Dietrich Bonhoeffers Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, in dem Hoffnung und Trauer zugleich mitschwingt.

Ergriffen macht auch das hauchzart gesungene „Näher, mein Gott, zu Dir“, bei dem die Cellistin ausdrucksvoll hervorsticht. Mit zwei klar gezupften Solostücken – die „Fantasie über Webers letzten Gedanken“ und das Liebeslied-Capriccio von Johann Kaspar Mertz – beeindruckt auch Ausnahmegitarrist Klaus Jäckle.

Das Schlusslied „Welch ein Freund ist unser Jesus“ ist kaum beendet, schon stehen die Zuhörer, spenden langen Applaus. Und dürfen bei der bekannten Zugabe „Großer Gott, wir loben dich“, die Adrian Werum an der Orgel begleitet, auch endlich mitsingen.