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Voller Gefühl: Jay Alexander hat im Nu die Herzen seiner Zuhörer erobert. Foto: Molnar
Voller Gefühl: Jay Alexander hat im Nu die Herzen seiner Zuhörer erobert. Foto: Molnar
Stimmen-Harmonie: Sopranistin Sandra Danyella und Tenor Jay Alexander begeistern mit der Zugabe „Lippen schweigen“ aus Franz Lehárs „Lustiger Witwe“. Foto: Molnar
Stimmen-Harmonie: Sopranistin Sandra Danyella und Tenor Jay Alexander begeistern mit der Zugabe „Lippen schweigen“ aus Franz Lehárs „Lustiger Witwe“. Foto: Molnar
06.01.2017

Jay Alexander bezaubert beim pro-arte-Konzert in Remchingen

Remchingen. Ein paar Erinnerungen, ein Tänzchen und ganz viel Liebe schenkt Jay Alexander beim Neujahrskonzert von „pro arte“ in Remchingen. Die Kulturhalle ist restlos ausverkauft, 600 Zuschauer genießen den Auftritt des Star-Tenors mit dem Orchester der Kulturen – und raunen wohlwollend, als Jay Alexander nach der Pause seine beigemelierte Weste gegen ein weißes Sakko getauscht hat. „Ich kann Ihren Jubel durchaus verstehen, ich finde mich heute äußerst attraktiv“, sagt der Sänger in seiner charmanten Art. Mit Volksliedern und Melodien aus Musikfilmen und Operetten hat der im „Weltdorf“ Bauschlott aufgewachsene Tenor ein stattliches Programm vorbereitet. Und an seine Seite Adrian Werum geholt, mit dem er seit zwölf Jahren musiziert, tourt und Programme einspielt.

Unter dessen beherzter Leitung serviert das Orchester der Kulturen ein klassisches Klangbild mit jazzigem Einschlag, der besonders bei Werums Kompositionen wie dem zweiten Satz aus seiner ersten Sinfonie hörbar wird. Zum Auftakt erklingt bereits eine ungewöhnliche Bearbeitung der „Schwäbischen Eisenbahn“ für Orchester von Werum, der am Flügel mitwirkt, und bei der das bekannte Thema mit dem Soloeinsatz des Konzertmeisters Ulrich Zimmer in den Vordergrund rückt. Werum habe das Volkslied auf ein anderes Gleisbett gesetzt, kommentiert Jay Alexander, der sogleich zum Träumen einlädt – mit Werner Richards „Irgendwo auf der Welt“.

Neben dem bezaubernd schönen Schubert-Lied „Im Abendrot“ bringt der Tenor auch zwei Silcher-Stücke gefühlvoll zur Geltung – „Am Brunnen vor dem Tore“ zum Beispiel. Schön dabei die detailverliebten Abstufungen von Strophe zu Strophe: So wird der geschmeidige Gesang zunächst von einem kleinen Bläserensemble begleitet, um dann mit einsetzenden Streichern intensiver, zupackender zu werden.

Einige Interpretationen wie Robert Radeckes „Aus der Jugendzeit“ sind indes von viel Sentimentalität geprägt, sorgen aber auch für Gänsehautmomente – wenn Jay Alexander ein zartes „Ich möcht’ am liebsten sterben“ bei Friedrich Glücks „In einem kühlen Grunde“ haucht.

Von Tango bis Oper

Im zweiten Teil werden vor allem Hits aus Heimatfilmen der 1930er- und 1950er-Jahre präsentiert, ebenso das charmante Tangolied von Ralph Erwin „Ich küsse Ihre Hand, Madame“, das Jay Alexander zu Ehren seiner anwesenden Frau Mama singt. Mit Inbrunst bringt er Franz Lehárs „Schön ist die Welt“ aus der gleichnamigen Operette zu Gehör, zu süßlichen Violinen wiegt sich die „Barcarole“ aus Jacques Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“ – bekannt auch aus dem Film „Mandolinen im Mondschein“ von 1959.

Und obwohl sich Jay über jede Schneeflocke freut, nimmt er die Zuschauer mit ins warme Italien – mit rührseligen Schnulzen wie „Santa Lucia“ oder „Frühling in Sorrent“ von Gerhard Winkler. Begeisterung lösen nicht nur Werums mitreißende „Rokoko-Variationen“ nach Tschaikowsky mit Solocellist Constantin Meier aus, sondern auch das schwungvolle Duett „Tanzen möcht ich“ aus Emmerich Kálmáns „Csárdásfürstin“.

Jay Alexander hat als Überraschung des Abends die reizende Sopranistin und einstige Studienkollegin Sandra Danyella an seine Seite geholt. Mit viel Stimmkraft überzeugen beide auch bei der Zugabe „Lippen schweigen“ aus Lehárs „Lustiger Witwe“ – bevor Jay Alexander mit einem gefühlvollen „Der Mond ist aufgegangen“ den Abend ausklingen lässt.