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Sebastian Studnitzky und Bassist Paul Kleber sind zwei perfekt aufeinander eingespielte Jazzmusiker. Foto: Tilo Keller
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Eindrucksvolle Architektur: Die 1957 erbaute Villa Witzenmann ist die Kulisse für ein sommerliches Konzert im Garten. Seit rund eineinhalb Jahren ist das von Hansjörg Mosetter geschaffene Gebäude nach aufwendiger Restaurierung wieder bewohnt. Foto: Tilo Keller
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Der ehemalige Chef dirigiert: Sebastian Tewinkel und das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim. Foto: Tilo Keller
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Über 170 Zuhörer finden spielend Platz in dem großen Garten an der Etivalstraße, zu dem neben vielen alten Bäumen auch ein Seerosen-Teich gehört. Foto: Tilo Keller
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Mal Trompeter, mal Pianist: Sebastian Studnitzky. Foto: Tilo Keller

Jazz trifft Klassik im Garten der Pforzheimer Villa Witzenmann

Pforzheim. Ach, diese Frage ist schwer zu beantworten: Schließe ich die Augen und gebe mich ganz des fantastische Klängen des Sebastian Studnitzky Trios und des Südwestdeutschen Kammerorchesters hin? Oder bestaune ich doch lieber die großartige Architektur der Villa Witzenmann von Hansjörg Mosetter an der Etivalstraße? Aber man kann auch mit offenen Augen träumen, sich in Gedanken und mit Klängen entführen lassen an sonnenbeschienene Strände mit plätschernden Wellen, an blühende Wiesen mit Vogelgezwitscher.

Und sich an dem Lächeln erfreuen, das immer wieder über die Gesichter der Musiker huscht. Pure Freude ist es, was am Freitagabend Kammerorchester, Trio und Zuhörer verbindet. Und selbst die Vögel spielen mit, zwitschern fast im Takt, und einer hat sogar zum Ende der Komposition „Lacuna“ einen Solo-Auftritt.

Vor fünf Jahren hat der gebürtige Neuenbürger Sebastian Studnitzky zum Jubiläum der Baugenossenschaft Arlinger die CD „Memento“ veröffentlicht – und die Stücke seither „weltweit und in ganz unterschiedlichen Besetzungen gespielt“, erzählt er. Nun, mit dem Original-Orchester und dem Original-Dirigent Sebastian Tewinkel, hat eine recht kurze Probe gereicht, um das „Memento“-Gefühl zu reaktivieren – und bei den Zuhörern für Gänsehaut zu sorgen. Da bläst Studnitzky gleich zu Beginn seine Trompete bei „Waves“, als ob er dem Meer das Säuseln abgelauscht hätte, bei „Egis“ steht das Trio mit Bassist Paul Kleber und Schlagzeuger Oli Rubow im Vordergrund, unterlegt von einen feinen Streicherteppich. Energisch steigen die Streicher hingegen bei „Structures I“ ein, geben den Rhythmus vor, den der Pianist übernimmt – Musik fürs Kopfkino. Sebastian Tewinkel leitet die beiden Klangkörper mit Übersicht, Gefühl und bewegter Geste. Der Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Neubrandenburger Philharmonie ist offensichtlich im Jazz genauso zuhause wie in der Klassik.

Der Bogenschlag gelingt vorzüglich: Jean Sibelius’ Bearbeitung der Klavier-Impromptus Nr. 5 und Nr. 6 aus op. 5 für Streichorchester – erst 1986 wiederentdeckt – ist ein Kammermusik-Juwel, das in gerade mal sechs Minuten Spieldauer weit in den hohen Norden entführt. Charmant und heiter dann das wohl bekannteste Werk des schwedischen Komponisten Dag Wirén (1905-1986): die Serenade für Streichorchester op. 11. Drei Sätze daraus spielt das SWDKO – beschwingt tänzerische Streicherklänge, wie geschaffen für einen warmen Sommerabend.

Der klingt nach viel Beifall mit dem letzten Stück auf der „Memento“-Cd aus. „Solbakken“ ist eine musikalische Aufforderung zum Träumen. Auch davon, dass Hausherr Jochen Abraham und Vermieter Carsten von Zepelin von der Baugenossenschaft Arlinger spätestens im kommenden Jahr wieder zu „Jazz trifft Klassik“ einladen.

Sandra Pfäfflin

Sandra Pfäfflin