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Teufel im paradiesischen Garten: Philipp Werner (Mitte). Foto: Haymann
Teufel im paradiesischen Garten: Philipp Werner (Mitte). Foto: Haymann
05.04.2019

Jedermann rockt mit Buhlschaft, Tod und guten Werken – Premiere am Samstagabend

Pforzheim. Energiegeladene musikalische Kombination im Theater Pforzheim: Die Rock-Oper „Every-man“ feiert am Samstag um 19.30 Uhr im Großen Haus Premiere. Als Jedermann ist Musical-Star Chris Murray zu erleben. Seinen Einstand in Pforzheim gibt Andy Kuntz, Sänger von Vanden Plas – als Tod. Er und die Band spielten ihr opulentes Werk bereits in Kaiserslautern, Innsbruck und Münster vor ausverkauften Häusern.

Virtuose E-Gitarren und rasantes Schlagwerk bilden das energiegeladene Fundament der Musik, die auch Balladen und jazzige Songs mitbringt. Die Fassung mit Sinfonieorchester wird nun am Stadttheater neu inszeniert.

Die Handlung verläuft, kurz gesagt, wie folgt: Jedermann (Every-man) lebt in Saus und Braus, als er unverhofft Besuch vom Tod bekommt. Er wird aufgefordert, sich auf den Weg zu machen, um vor Gott Rechenschaft über sein Leben abzulegen – das passt ihm natürlich gar nicht. Eine Stunde länger leben kann er aushandeln. Der Stoff ist durch das gleichnamige Schauspiel von Hugo von Hofmannsthal und die Aufführungen der Salzburger Festspiele berühmt. Die Allegorien des Glaubens, der Guten Werke und des Geldes, aber auch Tod, Gott und Teufel treten darin als Figuren auf.

Die Vorlage dazu ist „Everyman“, ein altenglisches Moralstück aus dem 15. Jahrhundert, dessen Autor unbekannt ist. Dieses war für Andy Kuntz und Günter Werno die Inspiration für ihre Rock-Oper. Mit der Beteiligung von Chor, Extrachor und Kinderchor sowie dem Ballett mobilisiert das Theater einmal mehr alle Kräfte für seine neue Rock-Oper. Choreograf Sven Niemeyer will das Ballett dynamisch in Szene setzen. Regisseur Philipp Moschitz wurde gerade für das Regie-Nachwuchs-Festival „Radikal jung“ nominiert und stand am Theater Pforzheim im Musical „Shylock!“ selbst mit Chris Murray auf der Bühne. Er plant die Inszenierung als ein lustvolles Spiel zwischen Gott und Teufel und versetzt Jedermanns ausschweifendes Leben mit Bühnen- und Kostümbildner Matthias Engelmann mitten in einen paradiesischen Garten.

Mit der Badischen Philharmonie unter der Leitung von Philipp Haag spielt bei „Everyman“ auch Vanden Plas, eine deutsche Progressive-Rock-Band. Die Mitglieder sind Andy Kuntz (Gesang), Günter Werno (Keyboard), Stephan Lill (Gitarre), Torsten Reichert (Bass) und Andreas Lill (Schlagzeug). Seit ihren Anfängen 1990 ist die Band in Musical-Produktionen auf diversen Bühnen zu erleben, darunter „Der kleine Horrorladen“ und „Jesus Christ Superstar“. Besonders erfolgreich sind sie in Frankreich, Japan und den USA.

Komponist Werno und Sänger Kuntz sind seit 1992 im Theater aktiv: in Saarbrücken für „Jesus Christ Superstar“, inszeniert von Thomas Münstermann, heute Intendant des Theaters Pforzheim. „Der Kontakt zu ihm hat sich all die Jahre gehalten“, sagt Kuntz. Beim „Jedermann“-Stoff war ihm „gleich klar, dass von der Thematik hier ein großes episches Thema vorlag, welches mit der Bildhaftigkeit unserer Musik sicher gut umzusetzen wäre.“

Werno ergänzt, der progressive Rock-Stil lasse viele Spielarten zu. „Während des Schreibens war es immer wieder erstaunlich, wie gut sich diese Musik als Transportmittel für dramaturgische Konflikte eignet.“