nach oben
Jochen Gnauert
Jochen Gnauert
29.07.2015

Jochen Gnauert zieht seine Bewerbung als Kulturreferent zurück.

Eigentlich sollte alles längst in trockenen Tüchern sein: Der designierte Kulturreferent Jochen Gnauert stellt sich im Gemeinderat vor, wird gewählt und im Anschluss steht er zum Interview bereit. Doch weit gefehlt: Pforzheim beginnt wieder von neuem mit der Suche nach einem Kulturamtsleiter. Denn am Montag um 19.26 Uhr zieht der Kulturmanager seine Bewerbung zurück, wenige Stunden vor seiner geplanten Wahl im Gemeinderat

Nicht ohne sich in seiner E-Mail bei allen Beteiligten für eine ausgesprochen konstruktive Atmosphäre zu bedanken. Er habe sich geehrt gefühlt, dass die Pforzheimer Stadtspitze und deren Ausschüsse des Gemeinderats sich eine Zusammenarbeit mit ihm hätten vorstellen können.

Woran lag’s also? Am schnöden Mammon? Nein, wohl nicht ausschließlich. „Die Unterschiede in den Modalitäten des Vertrags waren nicht überbrückbar“, formuliert es Oberbürgermeister Gert Hager vorsichtig. Und Jochen Gnauert meint, „das Gesamtpaket“ habe nicht gestimmt. Zwar habe die Stadt in den erneuten Verhandlungen versucht, ihm weitmöglichst entgegen zu kommen und auch er sei auf der Suche nach einen Kompromiss gewesen – letztlich aber ohne Erfolg. In seiner Tätigkeit als Kulturmanager sei er in den vergangenen Jahren häufig als Berater für Kommunen tätig gewesen, kenne den Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVÖD) genau. Und hier scheint es wohl zu keiner Übereinstimmung gekommen zu sein, in welcher Stufe des TVÖD 15 die Stelle des Kulturreferenten einzustufen sei.

Auch für den städtischen Pressesprecher Michael Strohmayer wird deutlich, „dass es für den Öffentlichen Dienst zunehmend schwierig wird, ein interessanter Arbeitgeber für Führungskräfte in Leitungsfunktionen mit den entsprechenden monetären Angeboten sein zu können“.

Nun herrscht allgemeines Bedauern, dass Jochen Gnauert, dessen „Präsentation vor einer Woche im Finanzausschuss ausgezeichnet gewesen ist“, so Strohmayer, doch nicht in Pforzheim antritt. Auch Gnauert selbst sieht seine Absage „mit zwei weinenden Augen“. Denn: Es seien sehr gute, konstruktive Gespräche in Pforzheim gewesen. „Pforzheim ist nicht Rothenburg oder Heidelberg, sondern eine besondere Stadt“, meint er. Und bedauert, dass er die große Chance, all die Dinge, die im Masterplan angestoßen worden seien, nun nicht umsetzen könne.

Nachdem auch die beiden weiteren Endrunden-Bewerber bereits abgesagt haben, wird die Stelle des Kulturreferenten erneut ausgeschrieben. „Allerdings erst nach der Sommerpause“, sagt OB Hager. Er ist zuversichtlich, bis Jahresende dem Gemeinderat erneut geeignete Bewerber präsentieren zu können. Bis dahin bleibt die Amtsleiterstelle verwaist, ist die bisherige Kulturreferentin Isabel Greschat doch bereits nach Ulm gezogen.

PZ-Redakteurin Sandra Pfäfflin kommentiert:

„TVÖD 15 nennt sich der Tarif für den Öffentlichen Dienst, in dem die Stelle des Kulturamtsleiters eingestuft ist. Doch selbst die höchste Eingruppierung für die Beschäftigten bei kommunalen Arbeitgebern ist – im Vergleich zur Privatwirtschaft – nicht gerade üppig dotiert. Denn das Monatsgehalt liegt zwischen 4179 Euro (Stufe 1) und 6183 Euro (Stufe 6). Geht man dann von der mittleren Stufe 3 aus, sind das monatlich 4807 Euro brutto. Und das lockt nun wahrlich wenig kompetente, erfahrene und über das Maß engagierte Bewerber hinter dem Ofen vor. Ob die Stadt bei der zweiten Ausschreibungsrunde erfolgreicher sein kann, bleibt fraglich. Vielmehr sollte man sich grundsätzlich Gedanken über die Dotierung von Amtsleiter-Gehältern machen.“