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Sagt, wo‘s langgeht: Jochen Malmsheimer im Malersaal. Foto: Frommer
Sagt, wo‘s langgeht: Jochen Malmsheimer im Malersaal. Foto: Frommer
15.02.2019

Jochen Malmsheimer bringt Publikum im Osterfeld zum Toben

Pforzheim. Man muss die Dinge beim Namen nennen. Der Kabarettist Jochen Malmsheimer fügt – scharfzüngig und stimmgewaltig wie immer – hinzu: „Auch Kinder; bevor sie in den Brunnen gefallen sind“. Er geht diesmal im voll besetzten Malersaal des Kulturhauses Osterfeld um den eigenen Nachwuchs, um „Planung, Kiellegung, Stapellauf und Betrieb eines Babys“.

Oder wie Malmsheimer nachreicht, um „fleischgewordene Mitesser, die mich satellitengleich umkreisen“, um „birkenbestockte, rundbebrillte und schafsblickende Hebammen“ mit Waldorf-Hintergrund, um Frauen und Mütter, die „im Hafen der Ehe, in Sichtweite der Mole abgesoffen“ sind und natürlich auch um Männer, präziser um Väter, die neun Monate nach „ergebnisorientiertem Sex“ den abrupten, aber vollständigen Verlust jeder Privatsphäre bemerken, bespötteln und betrauern.

„Ich liebe Bücher und ich mag Frauen“, stellt Jochen Malmsheimer (58), verheiratet und Vater zweier längst erwachsener Söhne, zu Beginn seiner Lesung aus dem Buch „Halt mal, Schatz“ fest: „In dieser Reihenfolge. Frauen sind schon sehr lange abwaschbar. Da dacht’ ich: Mach’ mal ein abwaschbares Buch.“ Zur Hausgeburt posaunt er ins Publikum: „Ich darf die geschätzte Leserschaft aufklären, dass ein Kind dabei herauskommt. Kein Haus. Wohnraum wird dabei eher knapp“. Und zu den atemtechnischen Ratschlägen des fachlichen Beistands: „Wir atmen regelmäßig und das seit Jahren. Oft auch auf nüchternen Magen, schon vor dem Frühstück.“ Auch habe er sich vor der Eheschließung davon überzeugt, „dass meine Gattin ein aerobes Lebewesen ist und der Lungenatmung anhängt. Nicht, dass ich etwas gegen Tracheen habe“, lässt er das Publikum zwischen den heftiger werdenden Lachschauern wissen. „Allerdings finde ich Atemlöcher in Ellbogen und Kniegelenken, wie wir sie von Insekten her kennen, gerade bei Frauen jüngeren Alters wenig kleidsam. Auch die Vorstellung, sich beim Niesen die Hand vors Knie zu halten, scheint mir ein wenig grotesk“. Ab dieser Zwerchfellattacke brüllt der Saal vor Lachen.

Anschließend bekommen auch der von „Chef-Heberinnen“ propagierte „lockere Stütz“, der „loszulassende Beckenboden“ und das Wehen-Singen eine kabarettistische Breitseite ab. „Wehen-Singen“, so Malmsheimer, „hat seinen Ursprung in der Wal-Pädiatrie“.

Nach der Pause lässt Malmsheimer sein Publikum an der ersten Familienfahrt (auf dem Landweg, an Bord einer „Ente“) nach Griechenland teilhaben. „Hellas, die Wiege der Zivilisation. Aber eben nur die Wiege“. Und er warnt „vor Pensionen, die mit Familienanschluss werben. Schauen sie sich die Familien mal an, dann wissen sie, warum die Anschluss suchen.

Im Malersaal erfahren die Zuschauer noch, dass Malmsheimer Dinkelplätzchen schlichtweg für „steinernes Backwerk präglazialen Ursprungs“ hält, warum der Kühlschrank brummt und weshalb die Pfirsichstückchen in Fruchtjoghurt Haifischflossen gleich im Kreis schwimmen. Erst nach einer üppigen Zugabe und viel Beifall geht der Wort-Jongleur von der Bühne.