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Eindringlicher Vortrag: Sabine Bode spricht über die Kriegskinder.  Läuter
Eindringlicher Vortrag: Sabine Bode spricht über die Kriegskinder. Läuter
23.03.2016

Journalistin Sabine Bode präsentiert ihr Buch „Die vergessene Generation“

Pforzheim. Sie hat mit Hunderten von Kriegskindern gesprochen und ihnen geholfen, ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Mit ihrem Buch „Die vergessene Generation – Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen“ hat die Journalistin und Autorin Sabine Bode einen wichtigen Beitrag für die dringend notwendige emotionale Aufarbeitung dieses Kapitels des Zweiten Weltkriegs geleistet.

Dementsprechend groß war am Montagabend der Andrang in der Buchhandlung Thalia, wo die Kölnerin auf Initiative des „Arbeitskreises 23. Februar“ mit Moderation von Dekanin Christiane Quincke ihr Buch vorstellte. Rund 120 Gäste waren gekommen.

Anfangs, so Bode, hätten die Meisten ihre Idee als abwegig empfunden, andere hatten geglaubt, sie wolle die Deutschen zu Opfern verklären. Darum aber gehe es ihr keineswegs. Vielmehr suche sie aufzuzeigen, dass eine ganze Generation, die am Ende des Zweiten Weltkriegs noch in den Kinderschuhen steckte, zwar Verheerendes mitgemacht, aber im Grunde nie das Gefühl gehabt hätte, Schlimmes erlebt zu haben. Bode will aufzeigen, dass unverarbeitete Traumata zwar ein gutes Leben zuließen, aber eben auch von Generation zu Generation weitervererbt werden könnten. Anhand ihrer Fallbeispiele, von denen sie an diesem Abend eine Auswahl vorlas, macht sie deutlich, warum Menschen bestimmte Verhaltensmuster entwickelt haben und woraus Einschränkungen der psychosozialen Lebensqualität entstehen. Fluchtkinder beispielsweise wiesen häufig ein großes Bedürfnis nach materieller Sicherheit auf, Veränderungen könnten enormen Stress verursachen, und häufig dächten sie in Schwarzweiß-Mustern.

Lässt man sich auf die Kinderperspektive ein, durchaus nachvollziehbar: Die Flucht erscheint zunächst als eine Art großes Abenteuer. Doch irgendwann kommt die Dämmerung, es wird unheimlich und kalt, ein Zurück ins vertraute Heim gibt es nicht, unzählige Dinge mussten zurückgelassen werden, und wohin diese Reise führt, ist unklar.

Dennoch, Bode erzählt, sie habe trotz der leidvollen Schicksale immer wieder Sätze nach dem Motto „ach, das bisschen Krieg“ gehört. Und sie habe keinen über sein Schicksal klagen hören. Doch das kollektive Schweigen habe Löcher bekommen. Eine Wertschätzung der traumatischen Ereignisse und der Lebensleistungen vor diesem Hintergrund sei wichtig, das betonte Bode an diesem Abend mehrfach.