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11.03.2016

Jüdische Satiren zum Schmunzeln: Burkhard Engel gestaltet einen literarisch-musikalischen Abend

Pforzheim. Mit einer gehörigen Portion Spott und Selbstironie sind die Texte gespickt, die Burkhard Engel in der Stadtbibliothek Pforzheim liest. Es handelt sich um Satiren jüdischer Schriftsteller wie Heinrich Heine, Alfred Polgar, Wolfgang Hildesheimer oder Kurt Tucholsky. Seit Jahren gastiert der Rezitator vom Cantaton Theater in der Bücherei, die mit Engels Programm einen Beitrag zur „Woche der Brüderlichkeit“ leistet.

Zum Einstieg wählt der Erbacher die Geschichte „Und Moses sprach“ von Ephraim Kishon. Da pokern bärtige Männer nachts im Zeltlager, schalten das Radio ein, weil sie wissen wollen, was Moses auf dem Berg erreicht hat. Zum Kringeln komisch ist auch Kishons Geschichte „Im Schweiße deines Angesichts“, bei der ein Hausierer seit Jahren seine Rasierklingen anbietet – bis einen Hausbewohner die Abenteuerlust packt, und er wirklich eine Klinge wünscht. Doch der Koffer ist leer. „Noch nie hat jemand etwas von mir gekauft“, liest Engel die Antwort des entrüsteten Hausierers. Sein Vortragsstil wirkt natürlich, seine Gestik reduziert. Er lässt vielmehr die Texte für sich sprechen, beendet sie meist mit einem zufriedenen Augenzwinkern. Manche rezitiert er auch frei, Tucholskys „Gefühle“ zum Beispiel oder dessen Gedicht „Der Pfau“, der einfach schön sein will, kein Gehirn braucht und daraus die Lehre zieht: „Wer dumm und schön ist, setzt sich. Siegt. Und schweigt“.

Dazwischen greift Engel zur Gitarre, spielt Eigenvertonungen von Heine-Gedichten. „Wenn du meine Verse nicht lobst, lass ich mich scheiden“, singt er nach der Rezitation von Heines „Donna Clara“, bei dem die Geliebte eines unbekannten Ritters auf das „schmutzige Judenvolk“ schimpft – bis sich herausstellt, dass ihr Ritter der Sohn des Rabies Israel von Saragossa ist. Die geistvollen Pointen sitzen, so auch bei Kishons vergnüglicher Geschichte „Wie man ein Buch bespricht, ohne es zu lesen“ oder bei Hildesheimers „Begegnung auf der Kurpromenade“. Ein Abend, bei dem über die fremden und eigenen Schwächen geschmunzelt werden konnte.