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Entspannt zurückgelehnt von Lacher zu Lacher: Rolf Miller. Foto: Seibel
Entspannt zurückgelehnt von Lacher zu Lacher: Rolf Miller. Foto: Seibel
11.02.2019

Kabarettist Rolf Miller teilt im Kulturhaus Osterfeld kräftig in alle Richtungen aus

Pforzheim. „Wenn Du müd’ bist, aber kaputt. Und das nur vom Essen.“ Rolf Miller kennt das, verkehrt er doch regelmäßig beim Italiener Filippo („Mafia, Russenmafia). Und wenn der Ranzen spannt, hilft nicht viel, denn: „Es wird immer schlimmer, als es kommt.“ Und so sitzt der Kabarettist und Comedian zwei Stunden auf seinem Stuhl auf der Bühne des Osterfelds und teilt nach allen Seiten kräftig aus. Sein erstes Opfer ist die „Political Correctness“. Der erteilt er gleich mal Hausverbot.

Ohne Scheu vor Witzen über allerlei Randgruppen, dazu zählt Miller auch und vor allem: die Frauen, serviert er seinem Publikum Lacher, Zoten und Schenkelklopfer im Akkord. „Man darf nicht immer alles glauben, was man denkt“, schränkt er selbstkritisch ein, um hernach über Stars („Shakira, das Schaf aus Kolumbien“), deutsche Fußballspieler bei der WM („Männer, wo auf Bälle starren“) oder Cem Özdemir („Ex-Außenminister Jamaika a. D.“) herzuziehen. Seinen Spaß hat er auch an Boris Becker, genauer an dessen Tochter aus der kurzen Besenkammer-Liaison, und touchiert dabei scharf die Grenze guten Geschmacks. Einen Vaterschaftstest hält Miller angesichts der offensichtlichen Ähnlichkeit mit dem Erzeuger für überflüssig, dann doch eher einen Mutterschaftstest.

Thema Frauen generell: Miller sieht sich legitimiert und in guter Gesellschaft, weil „der Mensch ist frauenfeindlich“. Schließlich seien „alle Menschen gleich, die Ausnahme hat die Re …“ Aber sei’s drum, er selbst habe selbstverständlich nichts gegen Frauen: „Jedenfalls nix, was hilft.“ Politisch unkorrekt geht’s weiter, Miller macht einen Ausflug in ein Schwarzwaldsanatorium, wo die Magersüchtigen die Adipösen mit fester Nahrung versorgen und erinnert bei dieser Gelegenheit auch an die körperliche Veränderung des Modepapsts Karl Lagerfeld: „Der ist nur noch Zopf und Brille.“

Trump, Putin, Erdogan – die Wirren der Weltpolitik stehen auch noch auf dem Plan. Aber da wolle er sich mal lieber zurückhalten, sagt er, das könne böse enden. Genauso wie Witze über Religionen. Obwohl: „Das Wasser wird nie so heiß, wie es gekocht wird.“ Für einen kleinen Religionswitz reicht es dann doch: „Was isst der Dalai Lama? Ein Buddha-Brot.“

Doch es ist, wie es ist, die Lage wenig hoffnungsvoll, die gefühlte Sicherheit in Deutschland auf dem Tiefpunkt: „Welche Frau traut sich heute spätabends noch nackt auf die Straße?“ Auf Schuldzuweisungen möchte Miller verzichten, schließlich sei das Thema „Ausländer immer ein zweigleisiges Schwert.“

Von Angela Merkel erwartet er keine Hilfe, ebenso wenig von Friedrich Merz, dem „Halbzombie“. Der habe Bemerkenswertes vollbracht: „Die erste Ratte, die zum sinkenden Schiff hinschwimmt.“ Bisschen englisches „Queensgedöns“ und Brexit noch. Die hätten ja nun wirtschaftlich ohnehin nichts Besonderes zu bieten. Obwohl, da war doch was: „Im Schiffbau waren sie früher ganz vorn: Titanic – sink positive.“