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Christoph Sonntags schwäbelnde Handpuppen – Winfried Kretschmann und Günther Oettinger – feierten fröhliche Urstände.  Foto: Frommer 
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Von Asien über Europa bis hin nach Amerika reist der kabarettistische Weltenbummler aus Stuttgart in seinem neuen Programm „Wörldwaid“.  Foto: Frommer 

Kabarettistische Weltreise: Christoph Sonntag gastierte mit Live-Show „Wörldwaid!“ im CCP

Pforzheim. Eingangs agierte der wortgewaltige SWR3-Comedy-Schwabe im CCP wie mit angezogener Handbremse: Zuletzt hatte Christoph Sonntag (58) selbst ziemlich einstecken müssen. Zwar ist die Scheidung von seiner deutlich jüngeren Gemahlin Elisabeth (31) seit August durch und die Unterhaltsansprüche der Ex laut richterlicher Anordnung verwirkt, aber die öffentlich ausgetragene Schlammschlacht – samt Hausdurchsuchung und einem zuletzt eingestellten Verfahren wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung – hat bei Christoph Sonntag dennoch deutliche Spuren hinterlassen. Den rücksichtslosen „Rosenkrieg“ kommentierte er im CCP immerhin mit der sarkastischen Bemerkung, dass er in dessen Verlauf auch „die Stuttgarter Qualitätspresse kennengelernt“ habe.

Appell an Trump

Nach diesem nachdenklichen Einstieg vor mehr als 220 Zuschauern ging Christoph Sonntag mit den „üblichen Verdächtigen“ ins Gericht. Donald Trump sei für ihn der lebende Beweis, „dass der Hirntod erst Jahre später eintritt“. Sonntag ermutigte den nun an Corona erkrankten US-Präsidenten, sich doch selbst, wie er unlängst seinen Landsleuten riet, Desinfektionsmittel zu spritzen: „Donald, net so viel schwätze, einfach mal machen!“.

Als nächstes nahm er Maut-Minister Andreas Scheuer und das Porzellan-Syndrom Horst Seehofers aufs kabarettistische Korn. Heimischen Dia-Vorführungen bescheinigte er den Tatbestand „stundenlangen, optischen Waterboardings“. Außerdem rief er dazu auf, „Freunde aus den neuen Bundesländern“ mit der Bemerkung zu begrüßen: „Boah, seid ihr braun geworden“.

Erst danach nahm Sonntag die CCP-Besucher mit auf seine imaginäre Weltreise, der der Titel seiner Solo-Show geschuldet ist. Zunächst ging es nach Asien. „Die Chinesen haben das Kopieren erfunden. Deutlich vor unserem Guttenberg“. An dieser Stelle kam der Beifall zaghaft und spät. Nicht nur, weil die Halle, zumindest an den Rändern, deutlich zu leise beschallt wurde.

Christoph Sonntags schwäbelnde Handpuppen – Kretschmann und Oettinger – feierten fröhliche Urstände. Reiseabstecher ins Mittelalter und nach Europa sowie Amerika folgten. In Kalifornien erinnerte er an Carl Laemmle (1867-1939), den aus Laupheim emigrierten Schwaben, der im Los Angeles County die Universal Filmstudios gründete.

Wenig sortiert

Als Zugabe gab’s wie gewohnt Christoph Sonntags schwäbische Halbplayback-Version von „Rockin‘ All Over The World“ (Status Quo) an einer gelben Gitarre mit den Konturen Baden-Württembergs. Insgesamt wirkte der anderthalbstündige Auftritt leider wenig sortiert und überladen.